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BeitragVerfasst: So 11. Dez 2005, 14:51 
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Hallo an alle in diesem Forum,

ich stehe kurz davor ein Fachwerkhaus zu erwerben und würde gerne folgendes in Erfahrung bringen:

Istzustand - Baujahr 1840, durchhängendes Krüppelwalmdach mit Biberschwanz gedeckt, Außenfassade mit dem typischen grauen LPG-Putz behandelt, Innenwände größtenteils noch im Lehmbau erhalten - allerdings mit Blümchentapete tapeziert, Grundfläche etwa 100m?, gebaut auf einem Fundament von Feldsteinen, Standort in MeckPomm.

Meine Fragen:
-Was habe ich unter dem Außenputz den ich entfernen will zu erwarten - Ziegel oder Lehm?

-Kann ein Dach das 165 Jahre alt ist, noch weitere 30 oder 50 Jahre bestehen?

-Laut Auskunft der Maklerin steht das Haus nicht unter Denkmalschutz - kann ich diesen Status durch Fachgerechte Arbeiten irgendwann erreichen?

Ich habe Fragen über Fragen aber würde mich über Antworten dieser hier gestellten erstmal riesig freuen.

Vielen Dank im Voraus
Peter aus HH


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BeitragVerfasst: So 11. Dez 2005, 15:31 
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Registriert: Fr 29. Apr 2005, 11:10
Beiträge: 502
Wohnort: Berlin / Münchehofe (Brandenburg LDS)
Lieber Peter Seifert,

Ihre Fragen lassen sich überwiegend nicht qualifiziert beantworten, weil die Vorinformationen zu indifferent sind.

Grundsätzlich :

Sollte sich unter dem "LPG-putz" tatsächlich eine Fachwerkkonstruktion befinden, so kann dies zu erheblichen Schäden an der Holzkonstruktion führen. Zu diesem Thema gibt es bereits in diesem Forum sehr umfangreiche Einlassungen.

Natürlich KANN eine hölzerne Dachkonstruktion noch weitere 50 Jahre bestehen. Dies hängt jedoch von der Konstruktion, von Vorschäden, der Qualität der Dachdeckung usw. ab. Auf dem Haus meiner Mutter befindet sich ein Dachstuhl, der ca. 330 Jahre alt ist - und dem ist dieses Alter nicht einmal anzusehen. Wenn wir uns nicht besondere Mühe geben diesen zu zerstören, wird er sicher noch einmal so alt.

Wenn das Haus nicht unter Denkmalschutz steht, kann es eigentlich nicht durch eine Sanierung / Restaurierung unter Schutz gestellt werden. Vielmehr muß untersucht werden, ob eine unter Schutzstellung auf Grund der baulichen Bedeutung des Gebäudes in Frage kommt, oder ob eine solche Prüfung bereits (negativ) durchgeführt worden ist. Dieses können Sie bei Ihrer zuständigen unteren Denkmalpflegebehörde in Erfahrung bringen.

Abschließend noch dieses : Für weitergehende Infos einfach die nächste IGB Kontaktstelle -> Angaben hierzu auf diesen Seiten.

Viele Grüße, Sven Teske.

_________________
Teske + Schwiede Architekten
Sachverständige für Schäden an Gebäuden

Alle Beiträge im Forum sind ausschließlich allgemeine Betrachtungen und keinesfalls konkrete Sanierungsanleitungen oder Rechtsberatungen. Hierfür sind immer Einzelfallberatungen durch einen Sachkundigen vor Ort erforderlich.


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BeitragVerfasst: So 11. Dez 2005, 15:45 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
Hallo Herr Seifert,

was Sie unter dem Putz erwartet, kann vieles sein: Neben Lehm und Zeigel in einigen Gegenden auch eine Ausfachung mit Natursteinen aller Art. In dieser Zeit (um 1870, wenn ich Sie richtig verstehe) war noch alles möglich. Am wahrscheinlichsten sind wohl Ziegelsteine. Ich wäre allerdings vorsichtig, was eine Freilegung des Fachwerks betrifft: Nicht jedes ist auf Sicht angelegt gewesen, Verputz war so selten nicht. Er hat auch eine Reihe von technischen Vorteilen (Wetterschutz, Wärmeisolierung) - vorausgesetzt, er besteht nicht in Folge einer unsachgemässen Reparatur aus zementhaltigem Material. So ein Putz muss runter, da er langfristig das Holz schädigt. Meist muss man ihn dann aber angesichts des Holzzustandes durch einen neuen aus holzverträglicherem Material ersetzen.

Wichtig auch die Frage: Aus welchem Holz bestehen die Fassade bzw. die Innenbauteile des Hauses. Sie leitet direkt über ihrer zweiten Frage, die man etwa beantworten könnte: Je mehr Eiche, desto besser. Allerdings zeigen viele mehrere Jahrhunderte alte Nadelholzbauten, dass das allenfalls ein statistischere Orientierungs wert ist. Es hängt, wie immer im Leben, vom Einzelfall ab. und sagen kann man das definitiv erst, wenn man den Zustand etwas genauer analysiert hat. Erhaltbar ist alles,aber es muss sich auch lohnen.

Dass das Haus (noch) kein Denkmal ist, hat nicht viel zu sagen: Es kann durchaus die Kriterien dafür erfüllen. Ein Haus von ca. 1870 muss da allerdings schon allerhand zu bieten haben, also zumindest entweder erhebliche geschichtliche Bedeutung oder exzellente Erhaltung der Originalsubstanz im Originalzustand. Vor allem würde ich, wenn ich eine Unterschutzstellung anstrebte, erstmal sehr vorsichtig mit Eingriffen sein, die nicht mit der Denkmalpflege abgestimmt sind; dazu gehört insbesondere auch die Entfernung des Putzes! Ggf. geht sonst der Schuss nach hinten los, weil man gerade die Bauteile beeinträchtig hat, die am ehesten den Denkmalwert gerechtfertigt hätten. Durch eigene Arbeiten kann man den Status nicht erreichen, er muss schon jetzt gegeben sein. Denkmalwert orientiert sich an dem, was aus wesentlichen Epochen der Geschichte noch da ist und nicht nach dem, was ein engagierter Bauherr hinzufügt bzw. zu tun bereit ist. Sinn eventueller Baumassnahmen an einem Denkmal darf dann auch immer nur die Erhaltung und angemessene Nutzbarmachung sein, nicht mehr, insbesondere nicht die Schaffung von Idealzuständen, die niemals bestanden haben! Über letzteren Punkt kann man dann lange Diskussionen führen.

Reicht das erstmal?


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BeitragVerfasst: So 11. Dez 2005, 17:55 
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Vielen Dank vorerst an Sven Teske und Dietrich Maschmeyer,

die Informationen lassen mich bei der nächsten Besichtigung (mit Fachmann) auf weitere Dinge achten.

Ich habe mal einige Fotos als Webgalerie auf meine Website geladen. Vielleicht vermitteln diese Fotos einen weiteren Eindruck?!

www.peter-seifert.de/haus

Bin auf weitere Anregungen, Tipps und Ratschläge sehr gespannt.
Mit besten Dank
Peter S aus HH


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