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der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. - IGB
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BeitragVerfasst: Di 18. Jan 2011, 14:31 
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Guten Tag zusammen,

wir eröffnen so langsam in unserer bescheidenen Hütte das Thema Anstrich und aus diverser Literatur habe ich die Kalk-Kaseinfarbe aus unterschiedlichen Gründen lieb gewonnen und würde sie denn auch gerne verwenden. Allerdings habe ich mehrfach gelesen, daß Lehm als Untergrund schwierig ist in Kombination mit solch einer Farbe.

Hat hier aus dem Forum jemand Erfahrungen damit und kann ggf. einige Eckpunkte zur Beachtung nennen und kann ich das Grundrezept aus dem Holznagel 3/2009 (dort wird ein Weißanstrich zur Eigenherstellung beschrieben) auch für einen andersfarbig pigmentierten Anstrich verwenden, gibt es ggf. noch andere empfehlenswerte Rezepte?

Wie gesagt, der Untergrund besteht aus Lehmputz.

Wo wir gerade dabei sind, die Fachwerkhölzer in unseren Innenräumen müssen nach dem Verputz teilweise noch gesäubert werden und sollen anschließend zur Auffrischung mit Leinöl geölt werden. Wir wurden diesbezüglich aber von einem unserer Handwerker gewarnt, daß Leinöl würde vom Holz in die Lehmfächer diffundieren und dort ggf. das Farbbild verfälschen. Gesetzt den Fall, er hat Recht, dann dürfte es nach der Trocknung des Öles und darauf folgendem Anstrich der Fächer aber doch keine Probleme mehr geben oder? Hat hier schon jemand Erfahrungen gemacht?

Vielen Dank vorab und viele Grüße

Achim Hecke


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BeitragVerfasst: Di 18. Jan 2011, 15:54 
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Der Handwerker hat Recht. Wenn Öl partiell in den Putz eindringt, wird der dort dunkler und bleibt es auch nach dem Trocknen, weil das Öl das Lichtbrechungsverhalten der Putzbestandteile ändert. Der Effekt ist bei Holz ja bekannt ("Anfeuern").

Allerdings kann ein derartig verfärbter Putz nach dem Trocknen des Öls problemlos mit Kalkfarbe überstrichen werden, ohne dass man ein Durchschlagen befürchten muss.


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BeitragVerfasst: Di 18. Jan 2011, 23:25 
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Registriert: Mi 19. Feb 2003, 10:04
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Hallo Achim,

in unserer Zeitschrift DER HOLZNAGEL haben wir über diese Problematik ausführlich berichtet.
s. Ausgaben: 5/08, 1/09 und 3/09.

Statt reinem Leinöl lieber Leinölfirnis verwenden, da die Trocknungszeiten deutlich kürzer sind (1 - 2 Tage gegenüber 3 - 4 Wochen bei ungünstigen Rahmenbedingungen).
Bei Kalkanstrichen auf Lehm im Prinzip ähnlich vorgehen wie in Ausgabe 5/08 beschrieben - Kalkputz auf Lehm.

Kalkfarben können pigmentiert werden. Eine Kalkschlämme verträgt allerdings nur ca. 5 % weitere (Fremd-) Pigmente => Pastelltöne. Kalk-Kasein-Farben können deutlich höher pigmentiert werden.

Viele Grüße und gutes Gelingen

Bernd


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BeitragVerfasst: Mi 19. Jan 2011, 09:49 
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Hallo,

Zum Thema Leinöl oder Leinölfirnis (sikkativiert):
Handelt es sich um Nadelhölzer und/oder haben diese keine sauber gehobelte Oberfläche, dann ist eine Imprägnierung mit heißem Leinöl durchaus empfehlenswert und schnell "trocken". Das "Trocken" steht in Anführungszeichen da Maler und Nutzer hier unterschiedliche Sachen verstehen (können). Reines Öl härtet natürlich schon deutlich langsamer als sikkativiertes. Allerdings hat es im gehauenen Nadelholz eine sehr große Oberfläche. Da das Eindringvermögen warmen Öls in solchen Hölzern vergleichsweise groß ist, sind die Oberflächen schnell für den Finger trocken.
Wichtig ist bei beiden Materialien ein eher sparsamer Umgang (insbesondere an den Kanten) um das Auswandern in die Putze zu verhindern.
Trotzdem ist, so sie notwendig oder gefordert ist, die Ölbehandlung vor dem Malern deutlich vorteilhafter.

Zum Thema Kalkkasein:
Wir haben keine Erfahrung mit Kalkkasein auf Lehmputz, verwenden aber intensiv eigengemischte Kalkkaseinfarben auf Kalkputzen und -glätten. Die Haftung der Farbe auf ölhaltigen Putzschichten ist höchstens ausreichend. Deshalb ist auf solchen Flächen meistens ein mehrschichtiger Farbaufbau notwendig.

Wie gut die Haftung der Kalkkaseinfarbe auf/im Lehm ist kann ich nicht beurteilen. Allerdings ist Kalkkasein bereits deutlich härter als Kalkmarmorglätte und kann diese, wenn der Glätteuntergrund ungenügend vorbereitet war, absprengen (Spannungsrisse).

Mit Kalktünche auf Lehm haben wir gute Erfahrungen. Wenn auch bei uns der Kalkverbrauch auf Lehm deutlich höher ist als auf Kalkputz.


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BeitragVerfasst: Fr 21. Jan 2011, 21:07 
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Registriert: Sa 23. Okt 2010, 22:48
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Wohnort: 39218 Schönebeck
Hallo,

ich halte es in derartigen Fällen immer so.
Zuerst die Holzteile reinigen und streichen und erst dann verputzen.
Vorteile dieser Reihenfolge sind zum einen, man kann beim reinigen und streichen auch etwas grobmotorisch an die Sache heran gehen ohne dabei den Putz zu beschädigen oder zu verschmutzen.
Mit Leinöl bzw. Leinölfirnis behandelte Balken lassen sich bestens vom Lehmschleier des Putzes, auch nach dessen Trocknung, reinigen.

Grüße aus Schönebeck


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BeitragVerfasst: Do 6. Okt 2011, 17:15 
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Beiträge: 44
Servus zusammen,

stelle meine Frage an Bernd jetzt hier ein, weil ich es nicht hinbekomme, ihm eine PN zu übermitteln.

Lieber Bernd,

nach einigen Verzögerungen (wie immer eigentlich), wollen wir in den nächsten Tagen auf Basis des Rezeptes von Stefan Haar und Dir (Holznagel 3/2009) mit Kalkkaseinfarbe loslegen.

Eine Frage dazu hätte ich noch: In Deiner Nachricht (siehe unten) hast Du geschrieben, daß Kalk-Kaseinfarbe wesentlich höher als 5 % pigmentiert werden kann. Nun, wieviel Buntpigment würde Euer Rezept denn vertragen? Oder kann ich einfach die Kalkmenge reduzieren, um die zugesetzte Menge an Buntpigment (da ja der Kalk in dieser Farbe mehr Pigment denn Bindemittel ist)?

Viele Grüße und besten Dank vorab
Achim


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BeitragVerfasst: Fr 7. Okt 2011, 09:47 
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Hallo Achim,

bei einer Kalk-Kasein-Farbe entsteht eine sog. Kalkseife, die wesentlich höher pigmentiert werden kann, da die Kalkseife jetzt das Bindemittel ist.

Aus der Literatur und aus Erfahrungsberichten kenne ich ein Verhältnis Kalk : Pigment (Gewicht) von bis zu 1 : 1. Persönlich habe ich aber bisher noch keine Erfahrung mit einer derart hohen Pigmentierung. Ich werde mich aber in Kürze für den Innenbereich daran wagen - mit Ultramarin.

Ich würde Dir aber auf jeden Fall eine Probe mit einer kleinen Menge empfehlen.

Herzliche Grüße

Bernd


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BeitragVerfasst: Mo 28. Nov 2011, 23:20 
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Servus zusammen,

gestern war es endlich soweit............................

Nun ist in einem Zimmer der erste Kalk-Kasein-Anstrich auf der Lehmdecke. Das Rezept von Bernd aus dem Holznagel habe ich mit den halbierten Mengen angesetzt, weil sonst zu viel Farbe vorhanden wäre. Mit über 20 Litern wäre ich etwas überversorgt gewesen.

Es hat im Grunde genommen sehr gut funktioniert, die Farbe deckt bereits recht gut, obwohl wie gesagt nur einmal dünn aufgetragen. Mit den im Holznagel angegebenen zwei Anstrichen sollte es also im konkreten Fall auch klappen. Punktuell ggf. noch ein Dritter, wird sich zeigen.

Was mir jetzt allerdings noch am Herzen liegt, ist die Abriebfestigkeit. Die Farbe kreidet schon noch etwas. Gibt es die Möglichkeit, die Abriebfestigkeit zu erhöhen (evtl. durch mehr Kaseinanteil)?

Hier die von mir verwendeten Mengen:

500g Magerquark
5 kg Sumpfkalk
10 l Wasser
10 ml Distelöl



Wie vorgegeben habe ich erst den Kaseinansatz hergestellt (Quark zu Sumpfkalk --> 3 : 1). Später dann den restlichen Sumpfkalk mit dem Wasser vermischt und die "Kalkmilch" dann in den Kaseinansatz gegeben. Als nächstes die Zugabe des Distelöles, alles gut vermischt. Die zu streichenden Flächen habe ich gut vorgenäßt.

Vielen Dank vorab für Eure Ratschläge.

Beste Grüße
Achim

PS: Was habt Ihr für Erfahrungen hinsichtlich der Haltbarkeit der frischen Farbe im Eimer?


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BeitragVerfasst: Di 29. Nov 2011, 20:41 
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Hallo Achim,

wenn die Farbe noch "kreidet", könnte das ein Indiz dafür sein, dass der Kalkanteil in der Mischung zu hoch ist.
Also: Entweder den Kalkanteil etwas reduzieren - oder umgekehrt: etwas mehr Quark und ggf. noch etwas mehr Öl.

Zur Haltbarkeit:
Die Farbe ist nicht haltbar. Möglichst am 2. Tag verwenden - Reste können auf den Kompost ;-)

Liebe Grüße

Bernd


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BeitragVerfasst: Mo 12. Dez 2011, 23:08 
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Guten Abend allerseits, insbesondere Bernd und Michael,

die erste Decke ist fertig. Insgesamt waren drei Anstriche erforderlich. Der erste Anstrich kam mit dem oben beschriebenen Rezept.

Ab dem zweiten Anstrich habe ich nun den Kaseinanteil und den Ölanteil erhöht sowie den Wasseranteil deutlich reduziert:

- Auf die Sumpfkalkmenge bezogen ein Anteil ca. 20 % Quark. --> Auf 5 kg Sumpfkalk also 1 kg Quark.
- Ca. 40 ml Distelöl
- 4 - 5 l Wasser

Diese Mischung war allerdings schlecht zu verarbeiten, weil zu dick in der Konsistenz. Die Folge war ein unregelmäßiger Pigmentauftrag und die Bürste war ständig voll mit Kalknestern, erstarrte also wenn man so will vor lauter Kalkfüllung.

Habe während dem Übergang von Anstrich zwei auf drei die Wassermenge auf rund 7 l erhöht und liege damit jetzt von der Verarbeitung her gesehen im optimalen Bereich. Sie läßt sich wunderbar streichen (milchige Konsistenz) und deckt weiterhin gut (bei einem Kalk/Wasserverhältnis von ca. 1 : 1,5 sicher auch kein Wunder). Das "Abkreiden" hat deutlich nachgelassen, ist aber immer noch nicht ganz weg. Werde also den Quark- und Ölanteil nochmals etwas erhöhen. Die Abriebfestigkeit spielt aber ja an einer Decke keine Rolle, weshalb dieser Anstrich auf Lehmputz meiner Meinung nach gut ist. Da der zweite Anstrich ja nicht so befriedigend war, sicher aufgrund der falschen Konsistenz, wurde der dritte Anstrich nötig. Ich gehe davon aus, daß mit der jetzigen Mischung zwei Anstriche reichen (wird sich im nächsten Zimmer zeigen :) )

5 kg Sumpfkalk (Altmannsteiner)
1 kg Magerquark
40 ml Distelöl
7 l Wasser


Werde weiter berichten.

Viele Grüße und herzlichen Dank für Eure Unterstützung.

Achim


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BeitragVerfasst: Di 22. Jan 2013, 18:27 
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Seid gegrüßt allerseits,

nach langer Forenpause hier noch kurz mein Abschlußbericht.

Das Rezept in meiner Nachricht vom 12.12.2011 hat sich in den nächsten Zimmern weiter bewährt, es bleibt auf Lehm allerdings bei mindestens drei nötigen Anstrichen. Das Abkreiden ist nicht ganz weg, kann aber meiner Meinung nach als akzeptabel erachtet werden.

Als ganz wichtig hat sich nach wie vor eine vernünftige Kalkbürste herausgestellt. Habe mehrere Exemplare getestet und alles, was der gemeine Baumarkt so zu bieten hat, scheidet grundsätzlich aus.

Viele Grüße
Achim


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BeitragVerfasst: Do 12. Sep 2013, 16:38 
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Registriert: Di 26. Jun 2007, 17:44
Beiträge: 92
Wohnort: Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal
Liebe IGB´ler,
hier meine Erfahrungen mit Kalk-Kasein-Anstrich auf Lehmputz:
Mit dem Rezept von Achim habe ich sehr gute Ergebnisse erzielt.
Leider fehlen bei der Mischung die Angaben für Verbrauch / Reichweite. - Ich muß ja abschätzen, wie viel Material ich einkaufen muß.
Ich habe dazu Achims Mischung auf 10 qm Wandfläche umgerechnet:
1,25 kg Sumpfkalk (kann man auch im Baumarkt als Weißkalkhydrat kaufen)
0,25 kg Quark
10 ml Distelöl
1,75 Ltr Wasser

Wichtig! Vorher eine Grundierung aus dünner Kalkschlämme (Wasser mit ein drittel Sumpfkalk) richtig mit Pinsel oder Schwammbrett in den Lehmputz einarbeiten! Die folgenden Anstriche auch ganz dünn auftragen. (mit Längsstrich aufgetragen und mit Querstrichen verstrichen)
Ich habe mal gelesen, dass man für Kalk keinen Naturhaarpinsel verwenden soll. Außerdem war mir der Kalkpinsel, den mir eine Firma dagelassen hat, viel zu klobig und schwer. Ich habe also mit einem billigen Wandpinsel aus dem Baumarkt gestrichen und bin damit ganz prima zurechtgekommen.

Die Flächen immer schön vornässen. (nass in nass arbeiten)
Ich habe mir dazu eine 5-Liter-Druckspritze gekauft. Macht sich ganz prima. Besonders, wenn man bei Außentemperaturen von über 30°C arbeitet!
Nach dem ersten Kalk-Kasein-Anstrich war das Ergebnis von der Optik gut und nach dem zweiten Anstrich hervorragend. Von der Abriebfestigkeit nicht so gut, obwohl ich etwas mehr Distelöl verwendet habe als angegeben.
Liebe Grüße und frohes Schaffen wünscht Euch
Sabine vom Naturpark


Dateianhänge:
Dateikommentar: Kalk-Kaseinanstrich auf Lehmputz; Balken: Hartholzöl (Kreidezeit) mit Mineralpigmenten
Anstrich_Kalk-Kasein.jpg
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