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der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. - IGB
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BeitragVerfasst: Fr 10. Apr 2009, 23:47 
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Hallo zusammen,
mir kommt es mittlerweile so vor, als ob in D. die Besitzer von historischen Gebäuden / Denkmälern Narrenfreiheit haben. Ich kann regelmäßig beobachten wie schützenswerte Gebäude durch Unterlassen oder Mutwillig dem Verfall preisgegeben werden. Neulich sagte mir sogar ein Dachdecker(!) ins Gesicht das er an seiner denkmalgeschützten Scheune an gezielten Stellen einige Ziegeln entfernen will, da er den Bauplatz gerne anderweitig nutzen möchte...

Dieses Vorgehen scheint, nach der Häufigkeit der anzutreffenden, oft ohne großen Aufwand behebbaren "Dachschäden" recht üblich zu sein, und trotz Denkmalschutzgesetzen keine rechtlichen Konsequenzen zu haben. Kann das sein? Oder würde den Besitzer bei grob fahrlässiger Unterhaltung bei einer Anzeige doch eine Strafe treffen?
Beschäftigt mich schon länger und ich wollte dies hier einfach mal zur regen Diskussion stellen.

Grüße ins Osterwochenende
Mathias


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BeitragVerfasst: Di 14. Apr 2009, 12:04 
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Nach den Denkmalschützern, so kommt es mir manchmal vor, kommen im öffenlichen Ansehen nur noch Massenmörder und Kinderschänder. Das ist wirklich bedrückend. Wie anders sieht die Sache beim Naturschutz aus! Aber wir arbeiten dran, dass das Image besser wird.

Die gezeigten Fälle sind ja wirklich krass, und es ist ein eindeutiger Vorsatz erkennbar. Das ist schon mehr als eine Ordnungswidirigkeit, nämlich eine Straftat. (Wirklich!!) In diesem Falle hilft nur eine explizite Anzeige - und zwar zunächst bei der unteren Denkmalschutzbehörde. Sollte die nicht in Windeseile aktiv werden, dann direkt bei der Staatsanwaltschaft (über Polizei) eine Strafanzeige wegen Verstosses gegen das Denkmalschutzgesetz des betreffenden Bundeslandes, der entsprechende Paragraph wird sich schnell finden lassen. Das ist hier wirklich angesagt. Ein Nachteil oder Kosten dürfen Ihnen daraus nicht entstehen. Nur Mut!


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BeitragVerfasst: Sa 18. Apr 2009, 22:58 
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Bin heute am 1. der oben gezeigten Objekte vorbeigefahren und habe dies natürlich entsprechend Dokumentiert.
Der Besitzer spielt auf Zeit und anscheinend hat er bald gewonnen...
Das Haus liegt direkt an einer Bundesstraße, dies MUSS dem Denkmalamt aufgefallen sein...
aber keinen scheint es zu interessieren. Es zerfällt von Jahr zu Jahr mehr...

Ich habe die Denkmalschutzgesetze vorliegen.
anbei ein Auszug (Hessen):

§12 Durchsetzung der Erhaltung

Kommen Eigentümer, Besitzer oder sonstige Unterhaltungspflichtige ihren Verpflichtungen nach § 11 nicht nach und tritt hierdurch eine Gefährdung des Kulturdenkmals ein, können sie von den Denkmalschutzbehörden verpflichtet werden, erforderliche Erhaltungsmaßnahmen durchzuführen...

Erfordert der Zustand eines Kulturdenkmals zu seiner Instandhaltung, Instantsetzung oder zu seinem Schutz Maßnahmen, ohne deren unverzügliche Durchführung es gefährdet würde, können die Denkmalschutzbehörden diejenigen Maßnahmen selbst durchführen, die zur Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für den Bestand des Kulturdenkmals geboten sind...

Eigentümer und Besitzer können zur Erstattung der entstandenen Kosten herangezogen werden...

Das wars, was ich gefunden habe. Anscheinend keine Geldstrafen für Unterlassung.
Und die Unterhaltung durch die Denkmalschutzbehörde funktioniert so wohl auch nur in der Theorie...
Leider könnte ich noch mehr solcher traurigen Beispiele vorzeigen.


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Dateikommentar: Detail Eckständer
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Dateikommentar: Nachdem das Dach plötzlich komplett abgedeckt wurde, war das Gebäude noch eine Zeit lang durch eine halbherzig angetackerte Folie geschützt die natürlich bald hinüber war...
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BeitragVerfasst: So 19. Apr 2009, 12:52 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
Lieber Mathias Josef,

vielleicht trauen sich die Denkmalpfleger nicht oder sonst etwas. Eine offizielle Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ist zwingend erforderlich - dann muss das Amt reagieren! Demokratie funktioniert nur, wenn der mündige Bürger wachsam ist und sich zu Wort meldet.

Beim Verfassen der Anzeige sind wir gern behilflich.

Beste Grüsse

Dietrich Maschmeyer


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BeitragVerfasst: Mo 20. Apr 2009, 20:58 
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Beiträge: 44
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Die Bilder sind schon krass. Ich sah in Basel leerstehende Häuser, wo trotz Wohnungserhaltungsgesetz mutwillig Wasserleitungen angebohrt wurden, um irreparable Wasserschäden zu erzeugen. Der Eigentümer wollte abbrechen, um ein Renditeobjekt aufzustellen. Die Behörde konnte sich nicht durchsetzen.
Ich kenne die Probleme selbst mehr vom Naturschutz, der ja angesprochen wurde, und auch dort nützen Gesetze allein wenig, wenn der Besitzer nicht mitmacht. Da gibts Bauern, die nachts extra ein Druckfass Jauche auf die Magerwiese drücken oder einige Bäume kappen, "weil ich der Besitzer bin und sage, was hier geht".
Andereseits hat der Besitzer eines denkmalgeschützten Hauses, wenn er damit nichts anzufangen weiss, schon einen Nachteil, weil er (immer aus seiner Sicht, die wir hier nicht teilen) durch den alten Kram behindert wird und dafür auch noch Kosten tragen muss. Ich vergleiche es ein wenig mit einem alten Auto, das man nicht weggeben dürfte, wenn es nicht mehr wirtschaftlich betreibbar ist, sondern auf eigene Kosten teuer erhalten müsste, nur weil einige Oldtimer-Liebhaber das wichtig finden.
An sich wäre es nur gerecht, wenn die Allgemeinheit, die ja den Nutzen des Denkmalschutzes hat, auch die Kosten dafür tragen würde, indem sie historisch wertvolle Bauten, deren Besitzer nichts davon wissen will, auch gegen seinen Willen einem verständnisvolleren Eigentümer zuführen könnte. Die dafür notwendigen Mittel müsste die Politik bereitstellen.
Zum Teil macht die Behörde auch Fehler, die ihren schlechten Ruf begründen, indem sie einfach Schutz verfügen, ohne mit dem Eigentümer eine Lösung zu suchen, die beiden Teilen gerecht wird. Früher hat man ja auch, wenn man irgendwo eine Tür wollte, ein Loch in die Wand gemacht und auch mal ein Fenster einfach zugemauert. Unser Haus ist voll von solchen Geschichten.
In den Alpen gibt es zum Beispiel viele Maiensässe (Feldscheunen mit Schlaf- und Kochgelegenheit und Stall im Untergeschoss), die entweder in Ferienhäuser, oft schaurig anzusehen, umgebaut werden oder zerfallen, weil die Nutzung einfach nicht mehr zeitgemäss ist. Wer macht schon heute noch Heu auf einer Waldlichtung ohne Zufahrt und führt im Herbst oder Winter drei Kühe für 5 Wochen dahin, um zu melken und den Futtervorrat aufzubrauchen. Hier kommt man weiter, wenn eine Umnutzung zulässig ist, wobei man versucht, den Charakter der Gebäude wenigstens äusserlich zu erhalten. Gegen den Willen des Besitzers gelingt es erfahrungsgemäss nicht, ein Gebäude zu erhalten.


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BeitragVerfasst: Mo 18. Okt 2010, 13:28 
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Wohnort: Wustweiler
Hallo lieber Namensvetter,

der Zerfall ungeliebter alter Häuser ist ganz allgemein nicht zu ändern, wenn das Interesse der eigentümer dem langfristig entgegensteht.

Die Gemeinde hat beim Verkauf von Denkmälern ein Vorkaufsrecht, das sie nutzen kann. Aufgrund der Haushaltslage der Gemeinden hat das keine Bedeutung.

Wohnhäuser sind stark der Mode und dem Selbstverwirklichungstrieb unterworfen, und ein Neubau auf der grünen Wiese ist auch heute noch wesentlich attraktiver und oft günstiger als eine Bestandssanierung - ob Denkmal oder nicht.

Programme zur Dorferneuerung und Dorfentwicklung sind sinnvoll und entfalten ihre Wirkung vor allem im ländlichen Bereich und wenn es Ensembles betrifft.

Der historische Bestand ist dennoch extrem gefährdet - besonders in den nörlichen Neuen Bundesländern - allein aufgrund der demografischen Entwicklung, der Abwanderung der Bevölkerung und der aktuellen Strukturpolitik.

Der denkmalgerechte Erhalt von Substanz und Erscheinung sind bei privat genutzten Denkmälern in meinen Augen nur durch reine Liebhaberei, aufgrund des persönlichen Bezugs zum Denkmal, und bei entsprechendem finanziellen Polster zu leisten.

Das öffentliche Interesse an privat genutzten Einzeldenkmälern hält sich leider in engen Grenzen. Ursprünglich in Preußen entstanden, ist die Denkmalpflege von Staats wegen allein nicht zu leisten.

Deshalb sind privates Engagement und Interessengemeinschaften wie die IG Bauernhaus und andere Vereine etc. mindestens genauso wichtig.

Es gibt den Spruch: "Wer sehr viel Geld hat und ist saudumm, der kauft ein altes Haus und baut es um."

Uns selbst sagen das Wenige, über uns sagen es Viele.

Lassen wir uns nicht entmutigen !

Viele Grüße,

Mathias

_________________
Mathias Becker

www. beckerlaisa.de
www.suedwestdeutsches-bauernhaus-wustweiler.de


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BeitragVerfasst: Mi 19. Sep 2012, 22:13 
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Besonders von den unteren Denkmalschutzbehörden ist häufig wenig zu erwarten, da sie personell häufig mit fachfremden Sachbearbeitern besetzt sind, die die Gefahren nicht erkennen können oder wollen, häufig wollen sich die Behörden Arbeit ersparen. Wer ins Wespennest sticht, kriegt manchmal dann sogar die Peitsche der Behörden zu spüren, siehe mein aktueller Beitrag Schwammsnierung in Obermoschel. T. Güttler


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BeitragVerfasst: Do 20. Sep 2012, 00:32 
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Registriert: Mi 8. Dez 2010, 23:50
Beiträge: 30
dr.guettler hat geschrieben:
Besonders von den unteren Denkmalschutzbehörden ist häufig wenig zu erwarten, da sie personell häufig mit fachfremden Sachbearbeitern besetzt sind, die die Gefahren nicht erkennen können oder wollen, häufig wollen sich die Behörden Arbeit ersparen.


Das kann ich so nicht bestätigen. Zumindest werden wir von erfahrenen Sachbearbeitern betreut, denen man die Liebe zu alten Häuser anmerkt und die konstruktive Vorschläge machen. (Was nicht heißt, dass man immer gleicher Meinung sein muss!) Nur müssen sie leider viel zu viele Orte und Denkmale betreuen - und es steht viel zu wenig Geld zur Verfügung.


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BeitragVerfasst: Fr 23. Nov 2012, 00:08 
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Registriert: So 11. Sep 2011, 12:26
Beiträge: 6
Dirk hat geschrieben:
dr.guettler hat geschrieben:
Besonders von den unteren Denkmalschutzbehörden ist häufig wenig zu erwarten, da sie personell häufig mit fachfremden Sachbearbeitern besetzt sind, die die Gefahren nicht erkennen können oder wollen, häufig wollen sich die Behörden Arbeit ersparen.


Das kann ich so nicht bestätigen. Zumindest werden wir von erfahrenen Sachbearbeitern betreut, denen man die Liebe zu alten Häuser anmerkt und die konstruktive Vorschläge machen. (Was nicht heißt, dass man immer gleicher Meinung sein muss!) Nur müssen sie leider viel zu viele Orte und Denkmale betreuen - und es steht viel zu wenig Geld zur Verfügung.


Das kann aber auch eine Ausnahme sein, ich habe eine Heuerstelle die unter Denkmalschutz
gestellt wurde. Dazu habe ich ein paar Fertig Restaurierte Nebengebäude, die ich unter Schutz
stellen lassn wollte. Nach Anfrage bei Untere und Oberen Denkmalbehörde, macht sich trotz
Zusicherung nicht mal jemand die Mühe die Gebäude in Augenshein zu nehmen.

Da fängt doch das Problemm an, in letzter zeit verschwinden Schützenwerte Gebäude über Nacht,
bei uns in der nähren Umgebung Delbrück und Rietberg.
Wenn sich nichteinmal die Mühe gemacht wird, eine Denkmal-Plakete ans Haus zu nageln, ist die
Hemmschwelle gering, ein Gebäude verfallen zu lassen.


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BeitragVerfasst: Di 10. Jun 2014, 09:58 
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Registriert: Di 25. Feb 2014, 10:34
Beiträge: 5
Mathias Josef hat geschrieben:

Beschäftigt mich schon länger und ich wollte dies hier einfach mal zur regen Diskussion stellen.


So richtig „rege“ war die Diskussion denn doch nicht — zumindest nicht zum Thema. Wie sieht es denn nun fünf Jahre nach dem Beginn dieses Threads in der Praxis aus? Gibt's Erfahrungen mit Anzeigen?

-Frank


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