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der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. - IGB
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BeitragVerfasst: Fr 21. Dez 2012, 01:59 
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Registriert: Mi 8. Dez 2010, 23:50
Beiträge: 30
Hallo,

zu Wolfgang Grebers Nachricht "Bagger macht die erste der beiden Zwillingskaten platt!":

Da mich auch der "Denkmal/Fachwerk-Virus" gepackt hat, kann ich die Wut über solch einen Abriss nur teilen. Auch mir graust es wenn ich sehe, was für wunderschöne (ja, manchmal bedarf es Leidenschaft es zu sehen) Häuser verrotten, und gleichzeitig eintönige Kataloghäuser in Neubaugebieten hochgezogen werden, die genau gleich auf Sylt wie in Schwaben oder Sachsen aufgebaut werden. Umgekehrt werden dann auch sehr gerne 60er Jahre Häuser mit falschen "Fachwerk"-Balken verhübscht...

Nur eins teile ich nicht: "Wehrt Euch, werft Euch vor die Bagger!" - denn dann ist es fast immer zu spät. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mehr erreichen können durch positive Beispiele. In der IGB sind ganz viele, die aus Abriss-Ruinen wunderschöne Häuser mit "Wow-Effekt" herausgeholt haben. Nur bei vielen Häusern sieht das ein normaler Passant nicht - der denkt dass so ein Traumhaus immer toll aussah. Oder dass man Millionär sein muss, um ein altes Haus von Grund auf zu sanieren.

Ein kleiner Ansatzpunkt könnte sein, dass noch mehr IGB'ler ihre Häuser am Tag des offenen Denkmals öffnen - und dabei ganz besonders auch Fotos zeigen, wie das schmucke Wohnzimmer am Anfang ausgesehen hat. Dass das "ach so wunderschöne Fachwerk" ausgesehen hat wie ein Kartenhaus. Und man an jedem Satz der Besitzer merkt, dass ein Haus mit Geschichte etwas ganz besonderes ist.

Von der politischen Seite wäre ein Ansatz, dass die Wirtschaftlichkeit beim Abriss eines Kulturdenkmals stärker überprüft wird: Wer ein Kulturdenkmal abreißen möchte, sollte den Restwert angeben, den das Objekt aus seiner Sicht noch hat. Und dann wird das Haus für ein Jahr zu diesem Restwert auf der Webseite des Landesamts für Denkmalschutz zum Verkauf angeboten. Das ein oder andere Haus wird sicher einen Liebhaber finden, der es sanieren wird. Und der ein oder andere Bagger wird nicht mehr anrollen. Wetten?

Viele Grüße

Dirk

Ps: Wie kann man eigentlich auf Nachrichten verlinken? Das hat irgendwie nicht geklappt.


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BeitragVerfasst: Mo 7. Jan 2013, 17:13 
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Registriert: Di 26. Jun 2007, 17:44
Beiträge: 92
Wohnort: Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal
Lieber Dirk,
Du hast recht: Öffentlichkeitsarbeit und Werbung mit guten Beispielen sind die besten Mittel zur Bewustseinsbildung.
Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, die uns zur Verfügung stehen, von daher finde ich die Presseerklärung sehr gut und diese ist sogar in der Lokalpresse aufgegriffen worden.
Ich habe daraufhin noch direkt die Kessiner auf ihrer Gemeinde-Homepage zum Protest aufgerufen. Konkreter Bürgerprotest kann schon viel bewegen in der Kommunalpolitik. Aber hier war die Zeit vom Bekanntwerden bis zum Abriss der Kate in Privatbesitz wirklich verblüffend kurz.

Dateianhang:
Aufruf Protest Kessin.doc [306.5 KiB]
392-mal heruntergeladen


Hoffen wir, dass dieses Schicksal nicht die gemeindeeigenen Zwillingskaten ereilt. Es sieht aber schon so aus, als dass die Gespräche zwischen Gemeinde und den Interessenten weitergeführt werden. Desweiteren sollten alle Möglichekeiten der Förderung seitens der Denkmalpflege und Dorferneuerung angeboten werden.


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BeitragVerfasst: Do 17. Jan 2013, 00:48 
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Registriert: Di 20. Jan 2009, 23:58
Beiträge: 14
positive Beispiele sind das Eine...

Der Fachwerkliebhaber gilt als verrückt, Dinosaurier der an "Altem" zwanghaft festhält.
Gleichzeitig wohnen die Kritiker in Sondermülldeponien.

Die private Seite:
Zu Beginn der Renovierung der Ruine gaben mir Anwohner den Rat, den Bagger zu holen und neu zu bauen.
4 Jahre später empfingen mich Lob über den Erhalt historischer Bausubstanz und deutscher Handwerkskunst.

Die offizielle Seite (Beispiel)
Ablehnung vom Denkmalschutzpreis ohne Begründung. Ohne persönliche Note. Und es wäre es wert gewesen.
Ausgezeichnet wurden Bauherren als Investoren, die Burgen und Schlösser instandgebracht haben.
Dies ist ohne Zweifel erstrebenswert, aber die "kleinen Leute" stehen hintenan.


Das sind nur zwei Beispiele wie es derzeit im Umfeld der Liebhaber der Fachwerkskunst steht.
Ein Paradoxon, Magazine wie z.B. "Landlust" erreichen Höchstauflage während der "schmutzige" Alltag ausgeklammert wird.

Es ist mir bewußt, daß dies ein eigener Thread sein könnte, mußte aber zum Thema Bewußtseinsbildung etwas loswerden.
Hoffe ich bin nicht "out of topic".

baumeister

_________________
Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.
arab. Sprichwort


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BeitragVerfasst: Do 17. Jan 2013, 01:57 
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Registriert: Mi 8. Dez 2010, 23:50
Beiträge: 30
Hallo Baumeister,

aus meiner Sicht bist Du nicht "off topic", das geht vermutlich vielen hier so. Und ich hoffe, es kommen nach uns noch viele mehr, denen hoffentlich genau das gleiche gesagt wird: Wenn sie die Häuser die uns grade für kurze Zeit gehören in weiteren 300 Jahren vor "Wie-auch-immer-der-Bagger-dann-heisst" retten.

Auch uns hat man mehrfach den Rat gegeben, unser Ruinchen warm abzureissen. Einen hat meine Frau sehr effektiv vertrieben, da sie vorgeschlagen hat die Kirche aus dem 14. Jahrhundert gegenüber unseres Ruinchens auch abzureissen: Die Kirche wäre schließlich noch schlechter dran als unser Haus und müsste schon wieder für sehr viel Geld saniert werden. Und ja: Meine Frau kann mit Blicken und Worten töten ;-)

Das mit dem Denkmalschutzpreis ist wirklich bitter! Wir haben auch manches Mal das Gefühl gehabt dass große Objekte wie Kirchen viel besser da stehen als unser kleines Einhausgehöft, das die Stiftung Denkmalschutz immer noch nur als "Bauernhaus" führt. Und trotzdem gabs bei uns die Förderzusage der Stiftung Denkmalschutz, für die wir uns jetzt nochmal sehr ins Zeug legen müssen...

Viele Grüße

Dirk mit Angelika und Ruinchen/Perlchen.


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