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der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. - IGB
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 Betreff des Beitrags: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Mo 14. Jun 2010, 10:10 
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Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass es in der IGB zunehmend um Denkmalschutz und deren Objekte geht. Immer wieder wird auf die Denkmalschutzgesetze, ungeeignete Denkmalschutzbehörden, fehlende Fördermittel, etc. hingewiesen und darüber veröffentlicht. Es sind bei weitem nicht alle Bauernhäuser Denkmäler und nicht alle Mitgleider sind Denkmalbesitzer. Auch eine ständige Aufstellung von Forderungen an Institutionen, dem Denkmal Bauernhaus mehr Augenmerk zu widmen, und sie zu unterstützen in ihrem Erhalt, erweckt bei mir den Eindruck, man muss nur genügend Häuser mit dem Status versehen, um dann damit Druck auf die öffentliche Hand auszuüben, diese Gebäude mit Steuergeldern zu erhalten.
Die Kassen sind leer!
Wer wirklich ein Interesse an der Erhaltung der ländlichen Baukultur hat, der besinnt sich auf die Ursprünge der IGB. Allerdings sind auch die Rechtsanwälte, Architekten, Ärzte und Apotheker rar gesät, die noch bereit sind diese Gebäude zu finanzieren...sie stehen spätestens nach einer Generation vor der Entscheidung des Verkaufes oder einer Grundsanierung...und nicht selten findet sich kein Nachfolger oder Kaufinteressent...
Der Generationenwandel hält auch nicht vor IGB - Gebäuden Abstand...wie auch nicht vor der Mehrheit der übrigen ländlichen Bevölkerung...
Jetzt wird eigentlich auch dem größten Idealisten deutlich, dass Kulturerhalt sehr viel Geld kostet...und wenn man keine öffentlichen Zuschüsse bekommt, dann wirkt der ständige Ruf nach öffentlichen Mitteln schon etwas irritierend.
Es wird sich auf Kurz oder Lang nicht abwenden lassen, dass der ländliche Raum sich ausdünnen wird und einige Regionen oder Dörfer sogar wüst fallen werden. Ich finde nicht, dass öffentliche Mittel in den Erhalt von Bauernhäuser gesteckt werden müssen, sondern dass es zukünftig sicher besser ist Menschen in der ländlichen Regin finanziell so zu unterstützen, dass sie möglichst lange in ihren eigenen Häusern leben bleiben können...denn nur lebendige Häuser werden erhalten.

R. Seevers


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Mo 14. Jun 2010, 19:58 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
Lieber Herr Seevers,

ich fürchte, Sie sind in eine Falle getappt: Dass Denkmalschutz in der Regel kein zusätzliches Geld bringt, ist uns allen klar. Wir rufen nach etwas, was es nicht gibt, wir machen eigentlich was anderes:

Schützens- und bewahrenswerte Substanz, um deren Schutz und Erhaltung es geht, gibt es weit mehr, als es registrierte Denkmale gibt. Nicht jeder Ruf nach dem Denkmalschutz ist indes ein Ruf nach Geld. Zunächst geht es bei der Berichterstattung durch den HN darum, darauf aufmerksam zu machen, dass die Erhaltung bestimmter, zum Zeitpunkt des Berichtes (noch) nicht geschützten Bauten im öffentlichen Interesse liegt und demzufolge eben nicht damit willkürlich verfahren werden darf. Unser Problem ist, dass wir kein Wort für das haben, was der Engländer als Vernacular architecture bezeichnet. Das hat wohl zur Folge, dass sich - im Gegensatz zu England oder mittlerweile auch Frankreich - auch kaum einer um sie und die Bedingungen ihrer Erhaltung kümmert. Das zu ändern, ist Urzweck der IGB, und ganz erfolglos waren wir auf diesem Wege ja keineswegs.

Zum anderen hat aber nun mal die Denkmaleigenschaft den Vorteil, dass man die Berechtigung, den Erhalt der Objekte (auch mit Vergünstigungen wie dem §35,4 (4) oder auch mit öffentlichen Mitteln) zu fördern, nicht noch sehr kompliziert und immer wieder neu gegen Zweifel verteidigen muss, sondern ein für alle Male Klarheit hat. Deswegen sehen wir im Denkmalschutz durchaus ein taugliches Instrument, die Erhaltungsbedingungen für vernacular architecture zu verbessern, und setzen es auch entsprechend ein. Und ganz unberechtigt ist es ja auch nicht, gelegentlich in höchster Not nach Geld zu rufen. Im Sauerland hat es geholfen: Von der ungeschützten Abbruchruine wurde der "Strackenhof" in Endorf zum Denkmal nationaler Bedeutung. Die Bevölkerung war verblüfft - und lenrt mittlerweile, dass auch verkommen Häuser so hohen ideellen Wert besitzen können, dass der Bund richtig was springen lässt. Auch das stärkt die Akzeptanz usnerer Bemühungen.

Wenn Sie sich unsere Seiten genauer ansehen, werden Sie den Ruf nach Geld, anders als Sie es darstellen, sehr lange suchen müssen. Dafür finden Sie Hintergrundinformationen, Hilfe zur Selbsthilfe und - besonders wichtig - auch zunehmend eine praktische kostenlose Vermittlung von Häuser, die Häuserbörse. Wir arbeiten daran, dies durchaus erfolgreiche Instrument weiter auszubauen. Manchmal können wir ein Haus aber auch nur dann vermitteln, wenn es unter Denkmalschutz steht und daher nicht sofort abgebrochen werden kann. Denkmalschutz als Faktor, einfach Zeit zu gewinnen, also.

Insgesamt ist unsere Aufgabe wohl am besten beschrieben mit "Vermitteln wertvoller ländlich/kleinstädtischer Bausubstanz":
- Erstmal vermitteln, was sie ist und welchen Wert sie für unsere Geschichte hat, dann
- Konket Gebäude an Erhaltungswillige vermitteln und dann
- der Politik vermitteln, was es im Lande gibt; und dass und wie sie im eigenen und allgemeinen Interesse die Rahmenbedingungen schaffen muss, und zuletzt
- in den gesellschaftlichen Konflikten, die sich bei so etwas nicht selten ergeben, zugunsten der Erhaltung der "vernacular architecture" zu vermitteln.


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Di 15. Jun 2010, 08:24 
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...nach fast dreißig Jahren Zugehörigkeit zur IGB weiß ich schon, was die IGB ist und macht...dennoch sehe ich es anders...


R. Seevers


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Di 15. Jun 2010, 09:44 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
Hallo Herr Seevers,

dann sollten Sie sich aber nicht darauf beschränken, darzustellen, was sie nicht wollen, sondern konstruktive Vorschläge zur Gestaltung der Zukunft machen. Und Sie sollten sich aktiv in diesen Gestaltungsprozess einbringen. Das ist es doch, was wir brauchen. Wir sind froh um jeden Aktiven.

Im übrigen vermag ich nicht einzusehen, weshalb wir so apodiktisch sein sollten, keine öffentlichen Mittel in die Erhaltung alter Bauten stecken zu dürfen. Sie sind doch ein wesentlicher Bestandteil der Qualität des ländlichen Raumes. Das entdecken zur Zeit sogar die Raumplaner! Vielleicht kriegt man ja auch deshalb gerade so ja die Bedingungen hin, die unsere ländlichen Regionen vital und lebenswert erhalten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Do 17. Jun 2010, 08:38 
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Ich werde wahrscheinlich die Mitgleidschaft kündigen. Ich habe mich entschieden nicht mehr nur rückwärtsgewandt zu denken...nicht die Vergangenheit ist mein Ziel, sondern die Zukunft...und ich habe in den letzten 30 Jahren erkannt, dass die Erhaltung der ländlichen Bausubstanz nichts am Zustand der Republik und der Welt geändert hat, auch wenn die Erhaltung der Geschichte immer als absolut notwendig für die kulturelle Identität angesehen wird - Unfug in meinen Augen. Es hat sich zu einer Event -Gesellschaft entwickelt, die ihre Backtage, ihre Mühlentage, ihre Hausbesichtigungen an sonnigen Tagen vollzieht. Es hat nichts, absolut nichts an der Entvölkerung des ländlichen Raumes geändert. Es wird auch weiterhin nichts ändern und ich sehe nicht das "Deutsche" Kulturgut gefährdet, nur weil es keine Rethgedeckten Bauenhäuser mehr gibt...ausserdem werden diese ohnehin verschwinden, weil schlicht das Geld fehlt...

R. Seevers


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Do 17. Jun 2010, 09:10 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
"Das Leben kann nur nach vorn gelebt, aber nur nach hinten verstanden werden." (Sören Kierkegard) Alle Gesellschaften, die den "neuen Menschen" schaffen wollten, der sich seiner kulturellen Bindungen brutal entledigt (Kulturrevolution) sind gescheitert, häufig in einem Blutbad. In diesem Sinne verfolgen wir ein sehr humanistisches Ziel.

Individuelles Scheitern muss nicht bedeuten, dass der Weg generell falsch ist. Nostalgisches Heimatvereinsgetue, wie Sie es beschreiben, ist grosso modo nicht unser Ding. Auch die sogenannte "Regionalbewegung" haben wir immer skeptisch gesehen. Die Realität kann man auf die Dauer nicht ignorieren. Gerade aber weil die Erhaltung der Kulturlandschaft zwar ein "soft skill" ist, aber auf der anderen Seite doch unsere Lebensqualität entscheidend definiert, setze ich mich entschieden dafür ein, sie zeitgemäss unter Erhaltung Ihrer Qualitäten fortzuentwickeln. Dazu gehören auch die alten Häuser, auch wenn ihre Zahl naturgemäss in stetigem Schwund begriffen ist.

Ihnen möchte ich eine Auswanderung nach Dubai, Shenzen oder Shanghai empfehlen. Dort ist jeder Blick in die Vergangenheit verpönt, es herrscht Zukunftseuphorie ohne Ende. Wie menschlich eine solche Gesellschaft ist, überlasse ich Ihrem Urteil. Ich, mit meinem durchaus zukunfsbezogenen Beruf (Forschung für neue chemische Verfahren) fühle mich hierzulande mit viel qualitätvoller Geschichte um mich herum keineswegs beengt, sondern durchaus wohl.


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Do 17. Jun 2010, 11:27 
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Registriert: Di 26. Jun 2007, 17:44
Beiträge: 92
Wohnort: Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal
Lieber Reini,
im letzten Satz Deines Statements hat Du eigentlich schon gesagt, was mich bewegt hat einen alten Hof zu kaufen und (später dann) in die IGB einzutreten. Ich wollte kein Haus auf der grünen Wiese bauen und damit den enormen Flächenverbrauch in unserer schönen Landschaft Vorschub leisten. Wohnen in schöner Natur hat ihren Preis – das ist nicht billiger wie Neubau, sondern eher viel anstrengender wenn man viel in Eigenleistung machen muß. (ich gehöre auch nicht zu den entspr. Gehaltsgruppen)
Aber gerade in Zeiten des demographischen Wandels muß man die Abwanderung junger Menschen stoppen, indem man mit gutem Beispiel vorangeht und zeigt, daß es möglich ist gute Lebensqualität und modernes Wohnen auf dem Lande gleichermaßen zu haben.
Ich besitze zwar einen denkmalswürdigen Hof ohne diesen Status, darum bin ich auch sehr dafür, daß die IGB ihre Aktivitäten für sämtliche alten erhaltenswerten Gebäude in Stadt und Land in den Vordergrund stellt. Daran wird im Moment innerhalb der IGB sehr intensiv gearbeitet. Ein neues Leitbild, ein moderneres Auftreten, neue Arbeitsstrukturen: all das wird von engagierten Leuten derzeit „hinter den Kulissen“ vorbereitet.
Wir müssen eben in allen Handlungsfeldern aktiv sein und alles nutzen, was unserem Ziel dient. Die Denkmale haben nun mal mehr öffentliches Interesse, daß wir nutzen müssen, immer auf die gesamte ländliche Baukultur aufmerksam zu machen.
Ich bin z.B. in unserer Region in der LEADER-RAG, die die staatliche Förderung für ländliche Entwicklung umsetzt. Da kann jeder Verband / Privatperson mitmischen und da nutze ich jede Gelegenheit, die Mittel für die Dorferneuerung dort mit einzusetzen wo meine RAG-Mitstreiter lieber das Geld für die Abrissbirne finanzieren würden. (da gibt es nämlich einen Fördertopf „Brachflächen/Revitalisierung“ – auf dieses Problem hab ich im Forum schon einmal aufmerksam gemacht)
Lange Rede - kurzer Sinn: Wenn ich mal wieder ein Tief habe, lade ich mir Freunde ein, die mir jedes mal versichern, was wir bisher tolles geleistet haben und wie gut ich ´s doch habe! Gern lade ich Dich im Sommer zu unserem Hoffest ein! Gemeinsames Feiern des Erreichten, Freundschaften knüpfen, Ideen und Kontakte weitergeben … kommt bei der IGB als Bundesverband etwas kurz, das müssen wir im eigenen Kreis organisieren.
Mittlerweile wurde sogar durch Forschungsvorhaben offiziell bestätigt, was wir schon lange wissen: nicht die paar Fördergelder motivieren Menschen, etwas zu tun, sondern Öffentlichkeitsarbeit und ganz konkrete Betreuung. – Was aber nicht heißen soll, auf die berechtigte Förderung und Vergütung des Mehraufwandes zu verzichten. Der Frust kommt ja erst auf, wenn man seine Leistungen nicht ideell und finanziell anerkannt kriegt. Hier ist noch viel zu tun für das öffentliche Bewußtsein!
Und noch eines: Ich baue unseren Hof nach ganz modernen Gesichtspunkten auf, ohne den Gesamtcharakter zu ändern. Ich baue mit modernen Lehmbaustoffen, habe moderne Holzmöbel, einen moderne Holzvergaserkessel mit Solaranlage und Wandheizung …. – also nix Rückwärtsgewandtes oder Sentimentales, sondern nachhaltig und ökologisch! So wie es mittlerweile viele Leute in der IGB machen.
Mit herzlichen und optimistischen Grüßen
Sabine vom Naturpark!
PS: übermittle mir mal Deine Adresse für die Einladung


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Fr 18. Jun 2010, 09:16 
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Es ist auch eine Art Glauben, wenn man ständig die Historie als Basis für die Entwicklung der Gesellschaft anführt und in dem Zusammenhang die Erhaltung der ländlichen Baukultur als unerlässlich hält. Es ist wohl in der "Deutschen" Seele eingebrannt, so zu denken. Es wird keine Rettung des ländlichen Raumes geben, nur weil einige wenige ein Häuschen erhalten.
Dorferneuerungsprogramme sind ein gutes Beispiel wie Geld verbrannt wird, Leader - Programme sind die Fortsetzung des ganzen. Ohne Arbeit in der Region kann man noch so heere Ziele formulieren...es wird nichts helfen.
Ich habe in den letzten Jahrzehnten etliche Menschen kennegelernt, beraten und mit ihnen gefeiert, die den Weg der IGB gegangen sind....viele Häuser sind aufwendig mit viel Liebe, Eigenleistung, Zeit und Herzblut errichtet oder umgenutzt worden. Die Kinder sind mittlerweile auf der ganzen Welt verstreut, die Immobilie nicht zu vermarkten, oder nur mit erheblichen Verlusten....wer hat nun daraus einen Vorteil oder eine Sinnerweiterung erfahren?
Die Region nicht, der Eigentmer nicht , die Menschen im ländlichen Raum nicht....


Reini


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Fr 18. Jun 2010, 10:36 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
Das ist ja weitestgehend sogar richtig - bist auf den totalen Pessimismus, den Sie ausstrahlen.

Die Kritik an Dorferneuerung und Leader ist teilweise durchaus berechtigt. Es ist an uns, daran etwas zu ändern. Das geht allerdings nur mit einer anderen Haltung als Ihrer.


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Fr 18. Jun 2010, 10:40 
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Beiträge: 869
Wohnort: Lügde-Hummersen (Kreis Lippe)
Lieber Reini,

es gibt immer zwei Möglichkeiten die Dinge zu sehen:
Das Glas ist halb leer
Das Glas ist halb voll

Ich ziehe die positive Betrachtungsweise vor. Negativ ist diese Welt schon von alleine. Nur weil etwas anders läuft als ich es mir vorgestellt habe, muss die Idee dazu noch lange nicht falsch sein.

Und - da muss ich Dietrich Maschmeier etwas berichtigen - in Dubai, Saudi Arabien und anderen Ländern wird hochmodern (neu) gebaut, das Alte aber so gut es geht auch gepflegt und erhalten. Mein Mann war erst dort und ich habe interessante Bilder gesehen.

In Frankreich, Italien, Groß Britanien, den nordischen Ländern, und, ...
wird ebenfalls das Alte gehegt und gepflegt und lange nicht so viel Aufhebens wie hierzulande gemacht. Da sind sie halt noch da, die alten Strukturen und Gemäuer weil man es nicht anders haben will. Und wir fahren jedes Jahr nur allzu gerne dort überall hin um Urlaub im stimmungsvollen Ambiente zu machen. Für uns ist schick, was für die Einheimischen normal ist. Und weil unsere Landsleute nun mal so sind wie sie sind, muss es auch die anderen geben. Die mit Herzblut dabei sind, die Vergangenheit für eine lebenswerte Zukunft zu erhalten. Denn die gibt es nun mal nicht ohne Rückblick im Doppelpack zu kaufen.

Der Werteverfall bei Immobilien hat eine ganz andere Ursache. Es sind ja schließlich alle Immobilien betroffen und der Abwärtstrend war auch schon vor 5 Jahren erkennbar. Solange jeder halbwegs gut verdienende Mensch von einer eigenen Immobilie träumt - und die bei Verlust des Arbeitsplatzes nicht mehr abzahlen kann, wird der Verfall auch noch lange anhalten.

Herzliche Grüße
Ulrike Nolte

PS: Meinen ganz privaten Vorteil eines Lebens in diesem Haus hier habe ich von Anfang an so gesehen: Hier gibt es keine Wohngifte, die mir gesundheitlichen Schaden zufügen. Und, hier ist (fast) alles wiederverwendbar. Bei Abriss muss nichts auf irgendwelchen Sondermülldeponien teuer entsorgt werden.

_________________
"Wenn du wirklich etwas willst, werden alle Märchen wahr." (Theodor Herzl)
Mehr über meine wahr gewordenen Märchen ist hier nachzulesen


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: So 20. Jun 2010, 12:01 
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Dietrich Maschmeyer hat geschrieben:
Das ist ja weitestgehend sogar richtig - bist auf den totalen Pessimismus, den Sie ausstrahlen.

Die Kritik an Dorferneuerung und Leader ist teilweise durchaus berechtigt. Es ist an uns, daran etwas zu ändern. Das geht allerdings nur mit einer anderen Haltung als Ihrer.


Ein Pessimist ist ein Optimist mit Erfahrung = Realist.....

Ich glaube nicht an eine Verbeserung für den ländlichen Raum, dafür bin ich schon zu lange auf dieser Welt. Daran kann auch das Engagement der IGB nichts ändern. Das soll ja im Umkehrschluss nicht heißen, dass ich anderen den Willen und das Engagement dazu abspreche, ich spreche nur für mich.

@ Frau Nolte: Es ist wohl heute Standard geworden, dass das Bauen Schadstoffarm, biologisch (was immer das heißen mag) und Energiesparend umgesetzt wird. Den Anspruch für sich zu verbuchen, nur weil man in einem alten Haus wohnt, und dort biologische, historische oder sonst was für Baustoffe verwendet, den finde ich ein wenig merkwürdig.

Wenn ich mir mein Haus ansehe und die Kosten für den Erhalt des Rethdaches (400m²) ausrechne, dann kann dafür ein "Normalbürger" sein Häsuchen zweimal bauen...das ist nicht nur unwirtschaftlich sondern auch noch unökologisch, denn das Kapital dafür muss zusätzlich erwirtschaftet und damit werden Ressourcen verbraucht.
Allein aus wirschaftlichen Gründen werden die regional bei uns typischen Rethdachhäuser in den nächsten 20 Jahren um mindestens die Hälfte zurückgehen...prognostiziere ich mal - ganz ohne Pessimismus.

Die Idee von Julius Kraft, den Erhalt der Bauernhäuser, in einer Zeit des Aufbruchs der 70er Jahre; in der man den Blick für diese Bauten nicht hatte; war sicher richtig. Letztendlich war es aber nur ein Aufschub um eine Generation...der Lauf der Zeit führt unweigerlich dazu, dass die Mehzahl der Bauten verschwinden wird...und die Welt wird sich dennoch weiterdrehen, da bin ich mir sicher....
Macht weiter, aber ohne mich!

Tschööö, Reini


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Di 22. Jun 2010, 22:39 
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Registriert: So 25. Jan 2009, 16:28
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Es muss auch möglich sein, in alten Häusern auf dem Land zu wohnen und da seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit Landwirtschaft so wie früher ist das heute nicht mehr möglich und zum Glück auch nicht mehr nötig. Nicht jeder will um 5:00h morgens die Kühe melken.

Um Geld in so einem alten Haus zu verdienen, kommt z.B. ein IT-Arbeitsplatz im Home-Office in Frage. Das geht auch heute schon überall. Per Satellit. Ist zwar etwas teurer als DSL in der Großstadt, aber dafür hat man ja weniger Miete oder Abzahlung fürs Haus.

Was es aber auf alle Fälle braucht, ist bezahlbare Mobilität, damit man ein- zweimal im Monat auch mal bei Kunden vor Ort sein kann, ohne für die Fahrkosten gleich einen Kredit bei der Bank aufnehmen zu müssen.

Auch alte Häuser müssen sich irgendwie "aus sich selber heraus" rechnen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Mi 23. Jun 2010, 07:57 
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Registriert: Sa 9. Dez 2006, 16:14
Beiträge: 869
Wohnort: Lügde-Hummersen (Kreis Lippe)
Hallo Andreas,

was meinst Du mit "bezahlbare" Mobilität?

Als Selbstständiger hast Du doch Möglichkeiten zum Absetzen, auch bei der Anschaffung.

Grüße
Ulrike

_________________
"Wenn du wirklich etwas willst, werden alle Märchen wahr." (Theodor Herzl)
Mehr über meine wahr gewordenen Märchen ist hier nachzulesen


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Mi 23. Jun 2010, 08:23 
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Registriert: So 25. Jan 2009, 16:28
Beiträge: 12
Damit meine ich, dass eine Fahrt von einem Dorf in die nächste Großstadt und zurück von den Kosten her nicht in der gleichen Liga spielen darf wie das, was man seinen Kunden so für einen Tag Arbeit berechnet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Denkmal über alles
BeitragVerfasst: Mi 11. Aug 2010, 18:21 
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Registriert: Fr 29. Apr 2005, 11:10
Beiträge: 502
Wohnort: Berlin / Münchehofe (Brandenburg LDS)
Ahoi,

ich kann Reinis Haltung gut verstehen und habe auch meine eigenen Konsequenzen daraus abgeleitet. Wer den ländlichen Raum als Lebensort erhalten will, muss Veränderungen zulassen und sich vor allem um Lebensbedingungen bemühen die es auch lebenswert machen, dort leben zu wollen.

Ich engagiere mich daher seit geraumer Zeit mehr in den Schulen meiner Kinder, im Kreiselternrat sowie im Landeselternrat des Landes Brandenburg, statt mich an der (vermeintlich) historisch korrekten Instandsetzung eines Gebäudes zu delektieren, denn das, da hat Reini wohl uneingeschränkt Recht, befördert den ländlichen Raum als Lebensraum keinen Millimeter - eher im Gegenteil : Es erschafft Landschaften mit musealem Wert, aber keine Lebensräume.

Da die Häuser - ja selbst die Denkmäler - ohnehin auch noch ziemlich unhistorischen Bedürfnissen angepasst werden, ist auch der vielzitierte "Erkenntniswert" für die wissbegierigen, nachfolgenden Generationen wohl von fragwürdiger Qualität.

Insoweit : Lieber Reini, vielen Dank !

Ich sehe die Möglichkeiten entgegenzuwirken nicht ganz so pessimistisch, teile aber die Analyse ohne jede Abstriche. Gleichwohl läßt sich im Sinne der Präambel der IGB etwas tun - nur eben nicht das, was die IGB derzeit tut.

Herzliche Grüße, Sven.

_________________
Teske + Schwiede Architekten
Sachverständige für Schäden an Gebäuden

Alle Beiträge im Forum sind ausschließlich allgemeine Betrachtungen und keinesfalls konkrete Sanierungsanleitungen oder Rechtsberatungen. Hierfür sind immer Einzelfallberatungen durch einen Sachkundigen vor Ort erforderlich.


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