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der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. - IGB
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BeitragVerfasst: Mo 22. Aug 2011, 13:05 
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Hallo IGBler,

in unserem Fachwerkhaus ist das Kinderzimmer für unseren Sohn nun endlich fertig geworden und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Allerdings frage ich mich ob wir mit dem Wandaufbau wie wir ihn bei diesem Zimmer gewählt haben auch weiter fortfahren sollen...

Hintergrund:
Ich habe auch schon einige Seminare besucht (sei es Lehmbaukurse, historische Kalkputztechniken etc.), aber egal wen man fragt, man erhält immer eine andere Antwort.

Unser Lehmbauer hatte folgenden Wandaufbau vorgeschlagen, für den wir uns auch entschieden haben (von außen nach innen):

Kalkputz
Historische Lehmausfachung oder Lehmsteinneuausfachung
Vollflächiger Lehmputz über Holzständerwerk und Gefache
8-10cm (differiert etwas da die Wand nicht eben ist) Zelluloseflocken
Dampfbremspappe
2cm Nadelholzschalung
Wandheizung in Lehmputz
Kalkfarbe

Für genau diesen Aufbau (nur mit einer Dämmstärke von 12cm), gibt es sogar von der Propstei Johannesberg in Fulda ein Arbeitsblatt was die Funktion dieses Wandaufbaues bei einer mäßigen Schlagregenbelastung bescheinigt.
Vor ein paar Wochen hatte der Kreis Gießen (die Bürgermeister) zu einer Veranstaltung eingeladen in der es um „die energetische Fachwerksanierung“ ging.
Dort hatte auch ein Referent der oben genannten Propstei Johannesberg teilgenommen und es wurde darauf hingewiesen das man eine maximale Dämmstärke von 6cm nicht überschreiten sollte um Schäden durch eingedrungene Feuchtigkeit/Tauwasser zu vermeiden.
Nach Hinweis auf mein Arbeitsblatt zur Zellulosedämmung sagte man mir das dieses Blatt ja auch schon 10 Jahre alt sei (aber kaufen kann man es scheinbar noch, denn ich habe es vor drei Jahren gekauft).

Ursprünglich wollten wir nur mit einer Leichtlehmschüttung dämmen, aber davon sind wir nach Gesprächen mit einigen „Fachleuten“ dann abgekommen. Hinweis der Fachleute war unter anderem: Ihr wollt doch nicht mit der Wandheizung nach außen heizen...

Ist der von uns gewählte Wandaufbau empfehlenswert oder sollten wir bei dem Rest des Hauses eine anderen Wandaufbau wählen?

Schonmal vielen lieben Dank für Eure Hilfe!!!

Gruß,
Marcel


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BeitragVerfasst: Di 23. Aug 2011, 18:04 
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Hallo Marcel,
ich bin leider kein Fachmann, aber der geschilderte Aufbau erscheint mir auch sehr veraltet.
Schau mal bei der kostenlosen Fachberatung vom Zentrum für Bauen mit nachwachsenen Rohstoffen

http://www.natur-baustoffe.info/virtuelle-baustelle/

"Auf den Seiten werden allgemeine Sachverhalte und Begrifflichkeiten kurz erläutert und Hinweise zu möglichen Fördermaßnahmen gegeben sowie in der Baupraxis erprobte Konstruktionsvorschläge aufgezeigt und verschiedene Heizarten vorgestellt ...."

Wir haben unsere Wandheizung auf 4 cm Holzfaserplatten (Pavatherm plus mit Nut und Feder) aufgeschraubt, ...den Wandaufbau hab ich im FORUM schon beschrieben ...
(Ich vermute mal, wir haben die Heizschlaufen viel zu eng gelegt, es ist bullig warm und mein süsser Gußofen kommt gar nicht zum Einsatz!)
Ich wollte auch schon mal ein Bild hochladen - das klappt aber nicht ... oder doch??
Dateianhang:
Wandheizung W030.pdf [341.79 KiB]
819-mal heruntergeladen


Herzliche Grüße Sabine


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BeitragVerfasst: Mi 24. Aug 2011, 20:12 
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Hallo Sabine,

an dem Aufbau gefällt mir vor allem das er selbstbaufreúndlich ist (was unser Aufbau nicht wirklich war).
Die in einem anderen Beitrag genannte Holzfaserdämmplatte "Pavadentro" gibt es in einer Stärke von 4cm.
Der Vorteil hier ist natürlich das einem nicht soviel "Raumfläche" verloren geht (bei uns: 8cm Dämmstärke, 2cm Schalung, 3cm Lehmputz = 13cm), wobei hier auch eine Art Dampfbremse eingebaut ist. Verhindert diese Schicht nicht auch die Austrocknung von außen nach innen und sollten wir bei unserem weiteren Bauvorhaben komplett darauf verzichten?
Die Pavathrem plus die ihr verwendet habt, hat diese Schicht ja wohl nicht...
Entschuldigt meine Fragerei, aber ich bin momentan echt sehr verunsichert und weiß nicht wie wir weiter verfahren sollen.

Gruß,
Marcel


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BeitragVerfasst: Do 25. Aug 2011, 12:44 
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Anbei nun doch noch einmal unseren Wandaufbau und ein paar Bilder
Unser Wandaufbau von Außen nach Innen:
Luftkalkputz,Fachwerkkonstruktion mit Lehmsteinen ausgemauert - Holzfaserdämmplatte Pavatherm plus 4 cm auf einer Unterkonstruktion mit Holzleisten, der Spalt dazwischen (ca. 6 bis 15 cm) mit altem Strohlehm ausgefüllt - auf die Holzfaserdämmplatte Wandheizung (Fa. Roth) - in mehreren Schichten Lehmputz eingebettet - Glasfasergewebe eingearbeitet (wg Spannungen) - Oberputz - Kaseinfarbe.
(Pavatherm ist teurer, aber erfüllt mehrere Produkteigenschaften und läßt sich sehr gut verarbeiten: Nut&Feder als Steckverbindung, ausreichend steif für Hinterfüllung, zuschneiden toll!) http://www.pavatex.de/produkte_detail.aspx?PROID=15

Eine Ergänzung noch: die Säcke von Mehabit sind Reste von meiner Fußbodenschüttung zwischen Stall und Wohnraum im OG. Das sind Hanfschäben, die wir hier in der Stube noch mit aufgebraucht haben. Ansonsten wurde hauptsächlich mit altem Lehm gedämmt.
Dateianhang:
DSCF1010.JPG
DSCF1010.JPG [ 23.65 KiB | 16406-mal betrachtet ]


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BeitragVerfasst: Do 25. Aug 2011, 13:49 
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endlich geklappt!!!


Dateianhänge:
Wandheizung _vernetztes PE-Rohr_Fa. Roth_klein.JPG
Wandheizung _vernetztes PE-Rohr_Fa. Roth_klein.JPG [ 5.97 KiB | 16404-mal betrachtet ]
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BeitragVerfasst: Mi 30. Nov 2011, 18:44 
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Der Einbau von Wandheizungen an Außenwänden mit Dämmstoffstärken kleiner als 15 / besser 20cm ist definitiv nicht zu empfehlen, es sei denn man heizt mit Holz und hat einen Wald.

Der Wärmeverlust ist direkt abhängig von der Temperaturdifferenz zwischen innen und aussen und wird durch die Wandheizung in hervorragender Weise maximiert. Ab 20cm Dämmstoffstärke ist dass vielleicht tragbar, aber auch nur bei einer wirklich guten Dämmung. Mindestens Floc oder gleichwertig.

Steinwolle ist aus Sicht des Brandschutzes eine gute Sache. Mit ner Sperrfolie auf der Innenseite ist das i.O. auch wenn viele das Zeug nicht mögen oder fürchten.

Die Passivhausleute gehen inzwischen in Richtung über 30 cm Dämmung und das ohne Wandheizung. Das ist der Maßstab und nicht die historische Bauweise ohne Dämmung


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BeitragVerfasst: Fr 2. Dez 2011, 23:24 
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Servus Marcel,

an Eurer Stelle hätte ich, auf den Wandaufbau bezogen, beim vollflächigen Lehmputz über Ständerwerk aufgehört. Ggf. im Lehmputz eingebettet dünne Schilfrohrmatten (je nach Putzstärke max. 5 cm) oder Holzweichfaserplatten (die auch gut als Träger für die Wandheizung fungieren können). Was weitere "Dämmung" angeht, so empfehle ich Euch, nicht an die allgemein in Umlauf befindlichen Parolen zu glauben, man könne mit Mineralwolle oder Papierflöckchen, schlimmer noch Styropor, zig cm dick an die Wand gebracht, den Stein der Energiesparweisen kaufen. Geldschneiderei sonst nüscht. Diese "Dämmstoffe" sind z. T. teuer, nahezu wirkungslos und ferner auch gesundheitlich nicht immer unbedenklich (übrigens auf Mensch und Fachwerk bezogen). Dampfbrems(-sperr)folien haben im Fachwerkhaus perse nichts zu suchen, weil sie dort eigentlich nur Schaden anrichten können (das ist eigentlich kleines Fachwerk 1 x 1)

Bekannt ist allgemein auch, daß eine Innendämmung im Fachwerkbereich stets riskant ist. Homogenität ist oberstes Ziel und die Maximalstärke von 6 bis 8 cm ist mir ebenfalls geläufig. Es gibt "goldene Regeln" wie: "Masse dämmt"., "Nach dicht kommt faul.", "Wind- aber nicht luftdicht bauen." usw.

Weitere Empfehlung: Verlaßt Euch vielleicht nicht gar so sehr auf den "gemeinen" Handwerker (ohne die Zünfte jetzt in Mißkredit ziehen zu wollen, aber die Antwort von Sven Roos diesbezüglich ist haarsträubend), der unter Umständen selbst nicht weiß, was er Euch da verkauft. "Macht man ja heute so!" Arbeitet Euch vielleicht selbst mehr in die Materie ein und lest auch außerhalb des Hauptstromes, z. B.:

http://www.konrad-fischer-info.de

http://www.ofenbauwerk.de

Vor allen Dingen, verliert nicht den Mut zur Einfachheit. Die einfache Lösung ist meist die beste. Je mehr Schichten und je unterschiedlicher die Materialien, desto größter die Gefahr, der folgenden Bauschäden. Diesbezüglich haben die Altvorderen schon gut vorgemacht, wie es funktioniert, warum meint man heute so häufig, man wüßte es besser?

Macht Euch Gedanken, wie man wirklich Energie sparen kann (vor allem nicht nach dem Motto: Koste es, was es wolle). Also, schaut Euch an, wie das Haus ausgerichtet ist, Ruheräume falls möglich in den Süden / Westen, Räume in denen körperlich gearbeitet wird in die Abseiten, im Winter vielleicht doch eher den Pulli und die dicken Socken anziehen, statt im Sommerdress durch die Bude zu laufen etc. etc.

Auf die richtige Wärmeart habt Ihr ja bereits gesetzt: Strahlungswärme.

Alle Welt redet von Öko, warum setzt das ausgerechnet an der "zweiten Haut", nämlich an den eigenen vier Wänden plötzlich aus?

Vielleicht ist der Artikel jetzt etwas reißerisch. Ich möchte hier allerdings nicht den "Besserwisser" markieren, nur zum Nachdenken anregen.

Viele Grüße
Achim


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BeitragVerfasst: Mo 5. Dez 2011, 23:10 
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Hallo Achim,

vielen Dank für Deine ausführliche Schilderung.
Ganz unerfahren bin ich nicht gerade, nur lasse ich mich ziehmlich schnell verunsichern bei solch komplexen Themen.
Auf die Seite von Konrad Fischer bin ich selber vor einiger Zeit gestossen.
Ich habe mich zu dem Thema auch nochmal ausführlich mit unserer zuständigen Denkmalpflegerin unterhalten.
Was den Wandaufbau angeht herscht jetzt Klarheit.
Da wir sowieso beabsichtigen einen Grundofen (mit Heizungsunterstüzung) zu bauen, kommt mir der zweite Link wie gerufen (der Seminarort wäre auch nur 25km entfernt).
Schaun wir mal...

Viele Grüße,
Marcel


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BeitragVerfasst: Mi 7. Dez 2011, 19:00 
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Oh, oh, da ist er wieder, der gute alte Widerspruch zwischen Glaube und Physik.

Vor Konrad Fischer ist weiterhin dringend zu warnen. Masse dämmt nicht, sie speichert nur und sorgt damit für einen gleichmässigen Wärmeverlust und sonst für nichts. Dämmung funktioniert. Wer in einem gutdämmten Haus wohnt weiss das.

Wieso Dampfsperren per se nicht im Fachwerkhaus zu suchen haben müsste mal begründet werden.

Richtig ist natürlich, dass schwachgedämmte vielleicht sogar beheizte Außenwände immer schön trocken sind und dass insbesondere ein Fachwerk das natürlich zu schätzen weiss.

Aus meiner Sicht sollte ökologisches Bauen zunächst die Minimierung des Heizwärmebedarfes im Auge haben, Die Wahl des Baustoffes ist mehr so ne Gefühlssache. Ich mach auch am liebsten in Lehm und Holz, aber die anderen Sachen funktionieren auch und sind auch nich so schlimm.

"Nach dicht kommt faul" ist auch son schöner Satz von dem man nicht weiß, wer da was wo abgedichtet hat.
In den meisten Fällen kommt nach dicht erstmal trocken und das ist meistens nicht so schlecht.

Der Hinweis auf die Baukünste der Altvorderen ist auch mit Vorsicht zu geniessen. Die ganzen schrecklichen Bauschäden kommen ja nicht nur aus dem Baumarkt, sondern sind vielfach von ganz frühen Generationen angerichtet worden, die es ohne "Renovierungen" in den historischen Hütten nicht mehr aushalten wollten, weil es eben zu kalt oder zu dunkel oder zu feucht war. Ne klassische Lehmtenne ist wunderbar, aber nur mit éinem ganzjährigem offenen Herdfeuer.

Und mit Pullover und warmen Socken brauch ich Frau und Kindern nicht zu kommen.


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BeitragVerfasst: Do 8. Dez 2011, 00:05 
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Lieber Sven,

die Sache mit dem Glauben: Der versetzt ja bekanntlich Berge und deshalb versucht die Lobby auch schön, den arglosen Kunden von der Sinnhaftigkeit des Dämmwahns vermittels staatlich verordneter Religion "Klimaschutz" zu missionieren. Dummerweise glaubt der Kunde und leider auch viele Handwerker den Quatsch, weil sie die vorgekauten Herstellerangaben einfach übernehmen und nicht weiter darüber nachdenken. Das nenne ich Widerspruch zwischen Glaube und Physik, denn genau diese wird von den Herstellern wie dem Gesetzgeber völlig verdreht.

Zitat: "Masse dämmt nicht, sie speichert nur und sorgt damit für einen gleichmäßigen Wärmeverlust und sonst für nichts. Dämmung funktioniert. Wer in einem gut gedämmten Haus wohnt weiß das."

- Na wenn das so ist........................... Die meisten "gut" gedämmten Häuser, die mir bislang so unter gekommen sind, haben Barackenklima. Aber, Masse dämmt nicht, da hast du recht! Sie kann etwas besseres, sie dämpft oder anders gesagt, sie sorgt für eine Phasenverschiebung (Amplitude) und darauf kommt es an. Nicht auf angebliche Wärmeleitfähigkeit & Co. - Wer in einem ungedämmten, aber massiv gebauten Backsteinbau lebt, der weiß das und hat meist keine unterkühlte, absaufende Fassade......................


"Fürchtet Euch nicht, wenn der Mob tobt, denn nichts ist gefürchteter und gehasster, als die Wahrheit." heißt ein altes Sprichwort und genau deshalb sollte man Leuten wie Konrad Fischer besser sehr genau zuhören. Alleine deshalb schon, um ein objetkiveres Bild zu erhalten. Einmal ganz davon abgesehen, daß er recht zahlreiche und vor allem gute Referenzen wie Fakten liefern kann. Im Gegensatz zur Dämmstofflobby ala Styropor etc. Nun denn, er kann sicher selber besser für sich reden. - Dann denke einmal darüber nach, wie in diesem unserem Lande Gesetze zustande kommen und wer da so alles an der Klimahysterie prima verdient.

Was die Dampfsperren in einem Fachwerkhaus angeht: Kannst ja mal versuchen, eine solche auf längere Sicht dicht zu bekommen, an arbeitender Holzkonstruktion mit zig Anschlußschwierigkeiten.

Die schlimmsten Schäden an vielen Fachwerkhäusern, vom letzten großen Kriege einmal abgesehen, sind erst ca. ab den 1970er Jahren verursacht worden, weil die Leute damals keine Ahnung mehr hatten, wie das "System" Fachwerkhaus eigentlich funktioniert. Nicht zuletzt übrigens die tollen Dämmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten haben unzählige Fachwerkhäuser in Ruinen verwandelt.

Zitat: "Aus meiner Sicht sollte ökologisches Bauen zunächst die Minimierung des Heizwärmebedarfes im Auge haben, Die Wahl des Baustoffes ist mehr so ne Gefühlssache."

Nun, das sehe ich etwas anders. In erster Linie sollte eine "ökologische" Behausung für den Menschen eine gesunde Lebensgrundlage bieten und der Natur keinen Schaden zufügen, im besten Fall sich sogar in sie einpassen. Nicht umsonst heißt es "zweite Haut". Was nützt mir ein tolles Passivhaus, was im Zweifel zwar ohne Heizung auskommt, andererseits aber auf längere Sicht mich krank macht, weil es eigentlich eine lebensfeindliche Umgebung ist, nur über komplizierte Belüftungstechnik funktioniert (die doch wohl auch nicht ohne Energieverbrauch sowie Wartung etc. auskommt), weil es im Prinzip eine Thermoskanne ist und zuguterletzt mit Blick auf die meist verwendeten Baumaterialien auch noch eine Sondermülldeponie darstellt. Damit wären wir bei der Baustoffwahl: Die sollte definitiv kein "Gefühl" sein, sondern auf baubiologischen Gesichtspunkten beruhen und dann scheiden alle möglichen Kunststoffe, Künstliche Mineralfasern und allerlei Chemieplempe ohnehin von vorne herein aus.

Deiner Frau und Deinen Kindern empfehle ich, auch an ihre Enkel- bzw. eigenen Kinder zu denken. Die haben nämlich im Zweifel spätestens die Entsorgung der ganzen Sondermülldeponien am Hals. Tja und von der Natur, die ja zusammen mit dem Klima immer so schön mittels teuerem Ökospielzeug "gerettet" (auch so ne Allmachtphantasie) werden soll im Wohlstandökoland haben sie dann vielleicht auch noch was........................

Aber nun, wie schon der alte Fritz sagte: Ein jeder möge nach seiner Facon glücklich werden.

Trotzdem lege ich Dir den folgenden Film ans Herz:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/4 ... ng117.html
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/4 ... ng117.html

und auf der Seite von Herrn Fischer gibt es Verknüpfungen zu weiteren Beiträgen in denen übrigens auch noch andere Personen zu Wort kommen.

Viele Grüße aus einem nach heutigen Maßstäben ungedämmten Bauern-/Seidenweberhäuschen.
Achim

An Marcel,

viel Neues habe ich Dir dann ja nicht geschrieben. ;)

In puncto verunsichern lassen, können meine Frau und ich auch ein Lied singen. Jeder erzählt was anderes, der eine sagt schwarz, der andere weiß...........

So ist das nunmal.

Allerseits viel Erfolg weiterhin.

Beste Grüße
Achim


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BeitragVerfasst: Di 13. Dez 2011, 01:46 
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Registriert: Fr 29. Apr 2005, 11:10
Beiträge: 502
Wohnort: Berlin / Münchehofe (Brandenburg LDS)
Lieber Achim,

Leute wie der Kollege Fischer sind unzweifelhaft eine Bereicherung, weil sie uns dazu zwingen selbstverständlich geglaubte Positionen zu hinterfragen - das macht aber seine Einlassungen inhaltlich nicht richtiger. Nicht einmal dann, wenn die falschen Thesen besonders telegen vermittelt werden.

Ich verabrede mich gerne mit Dir auf dem zugefrorenen Wannsee, soweit wir noch einen EISKALTEN Winter erleben werden, zum Eisangeln. Zu dem Versuchsaufbau gehört ein massiver Stahlklotz auf dem Du sitzen würdest und ein gesundheitsgefährdender, neumodischer Polystyrolklotz - auf dem ich dann gerne sitzen möchte.

Nach einer (oder wegen der Phasenverschiebung gerne auch zwei) Stunde(n) bei -20 Grad messen wir dann die Oberflächentemperatur auf unseren Gesäßoberflächen – falls Du das solange aushälst. Ich koche Dir dann auch einen schönen heißen Kaffee und gebe Dir eine Wärmflasche - versprochen.

Aus meiner Sicht : Die Wirksamkeit von Dämmstoff in Frage zu stellen, ist offengestanden - sagen wir - irritierend. Für manch einen ist die Erde eben immer noch eine flache Scheibe.

Das diese neuen Baustoffe, wie alle Baustoffe (!), Konstruktionen mit eigenen Anforderungen und Grenzen mit sich bringen, lernt jeder Student der Architektur oder des Bauingenieurwesens im ersten Semester. Wenn ich diese Anforderungen oder Grenzen ignoriere, mit anderen Worten nicht baustoffgerecht konstruiere, baue oder auch diese verwende, dann kommt es heute – und kam es in der guten, vermeintlich besseren, alten Zeit – zum Bauschaden.

Erschwerend ist sicher, dass diese neuen Baustoffe das Bauen eben auch sehr viel komplizierter – fachlich anspruchsvoller – machen und manchmal auch eine Änderung von Nutzungsgewohnheiten erfordern.

Ich habe mir den Sendebeitrag aus deinem Link angesehen. Ohne die Zahlen des Beitrages im Einzelnen zu hinterfragen (Energieeinsparung von NUR 50 %), ist selbiger doch eine wesentliche Antwort schuldig geblieben. Wenn wir denn auf ein WDVS, Keller- und Dachdeckendämmung usw. verzichten, was ist dann die Alternative – und zwar in einer volkswirtschaftlichen Dimension ?

Stattdessen werden uns Ausführungs- und / oder Planungsmängel sowie deren Folgen präsentiert und diese auf ein System der „Baustoffmafia“ und deren dümmlichen Jüngern zurückgeführt.

In deinem Beitrag wird ständig Ursache und Wirkung verwechselt. Klar, ein massiver Baustoff kann Energie speichern und phasenverschoben wieder abgeben. Soweit aber diese Abgabe auch nach außen stattfindet und das tut sie ja nach den Thermografien des Kollegen Fischer, fließt diese Wärmeenergie nach außen ab und heizt unsere Umwelt. Umgangssprachlich ist das ein Wärmeverlust, den wir eigentlich vermeiden wollen. Auch diese, vergleichsweise simple, Erkenntnis ist offensichtlich eine intellektuelle Überforderung der kritiklosen Journalisten gewesen.

Um hier gar nicht falsch verstanden zu werden : Natürlich hat die Verwendung von Dämmstoffen Folgen – in der Konstruktion, der Ausführung, der Benutzung und im Unterhalt. Diese muss man kennen, gegen die Vorteile abwägen und dann eine Entscheidung über die Verwendung treffen.

Und vielleicht ist die durch den Kollegen Fischer in den Raum gestellte mangelhafte Effizienz einer Fassadendämmung in Verhältnis zu einer Erneuerung eines Heizungssystems ein zielführender Ansatz – aber das ist eine andere Diskussion, die sich übrigens nicht – wie im Bericht dargestellt - verallgemeinern läßt.

Abschließend noch soviel : Ich kenne eine Menge hochgedämmter Häuser, die weder eine Sondermülldeponie sind, noch ist deren Fassade abgesoffen oder haben sie ein Barackenklima.

Herzliche Grüße, Sven.

_________________
Teske + Schwiede Architekten
Sachverständige für Schäden an Gebäuden

Alle Beiträge im Forum sind ausschließlich allgemeine Betrachtungen und keinesfalls konkrete Sanierungsanleitungen oder Rechtsberatungen. Hierfür sind immer Einzelfallberatungen durch einen Sachkundigen vor Ort erforderlich.


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BeitragVerfasst: Di 13. Dez 2011, 15:33 
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Lieber Sven (Teske),

wie ich bereits andeutete: Der eine sagt schwarz, der andere weiß und jeder behauptet von sich (so auch Du jetzt - der Hinweis mit der Erde, manche würden immer noch glauben sie sei eine Scheibe sagt es ja deutlich aus), die "richtige" Variante gefunden zu haben bzw. zu vertreten. Deshalb war wohl die Sache mit dem "Glauben", den Sven Roos hier aufgebracht hat gar nicht so verkehrt. Es ist auch klar, daß die jeweils andere Seite sicherlich an manchen Stellen publikumwirksam etwas dick aufträgt. Noch mal, nur weil wir uns im hier und jetzt befinden, heißt dies aber nicht, daß wir per se alles besser machen und die quasi Verwissenschaftlichung (eigentlich ist es ja eine Konfessionierung) des Hausbaues mit all seinen Folgen für Mensch und Tier wird wohl noch länger ihr Unwesen treiben. Es gibt ja leider scheinbar noch nicht genügend Ärger damit oder er wird nicht publik, weil der Handwerker und Planer nach der Gewährleistungsfrist ja alles gemacht hat, nur keine Fehler, nur fängt der Ärger meist erst genau dann an. Aber vielleicht ist es ja auch nicht anders gewollt? An dieser Stelle erneut meine Frage: Hat sich einmal jemand hier Gedanken gemacht, wie in unserer ach so tollen Demokratie Gesetze gemacht werden und ist die Forschung/Wissenschaft/Lehre noch frei? - Man kann es doch aktuell am Euro-Rettungswahn sehr gut beobachten. Es zählt alles, nur keine Fakten.

Was den Beitrag des NDR angeht, da gibt es sicherlich einige Kritikpunkte, aber die Energieeinsparung war, soweit ich mich erinnere, nicht mit "NUR 50 %" sondern mit 15 % beziffert, wo die Lobby 85 % propagiert. Evtl. verwechsele ich dies jetzt aber mit einem anderen Film. Eine Antwort auf Deine (eher suggestive) Frage zur Alternative ist vielleicht im Film nicht gegeben, daß alleine widerlegt aber seine Richtigkeit bzw. Kernaussage nicht. Das sollte man ja schon im Kontext sehen. In volkswirtschaftlichem Sinne bringt es im übrigen wohl mehr, sich gar keine Dämmung ans Haus zu pappen, ehe man ein fehleranfälliges sicher nicht günstiges obendrein wartungsintensives WDVS an die Wand bringt, mit fragwürdiger Wirkung sowie zweifelhafter Lebensdauer (und zwar ganzheitlich betrachtet! Im Altbau wird der Bausubstanz zudem meist ganz massiv und irreversibel auf die Pelle gerückt, wie übrigens im Film gut zu sehen - das muß man doch alles gegenrechnen). Der Herr von der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft hat über die ganze Maßnahme selbst ein großes Fragezeichen gestellt und zudem wurde herausgestellt, daß sie nur durchgeführt wird, weil Papa-Staat Förderungen zugesteuert hat. Ein Denkmal wurde hier offenbar obendrein verschandelt.


Deine Einladung an den Wannsee nehme ich gerne an. Gestatte Du mir anschließend bitte eine Gegeneinladung. Wir nehmen nach dem Angelausflug den von Dir freundlicherweise gestellten Polystyrolklotz mit in die am See sicherlich zu findende Anglerhütte, ersetzen Deinen Stahlklotz durch einen Holzklotz (alternativ durch einen einfachen Ziegelstein) und besorgen uns dann einen Tisch oder von mir aus irgendeinen Ständer, auf dem man die beiden Klötze so positionieren kann, daß wir Sie von einer Seite mit einem Halogenfluter oder vielleicht auch mit einem Infrarotstrahler "beschießen" können. Vorher messen wir auf den jeweiligen Abseiten die Oberflächentemperaturen und während wir einen Grog trinken, lassen wir den Strahler sein Werk tun. Nach einer Stunde des "Beschusses" messen wir wieder die abseitige Oberflächentemperatur..................................... Wir nehmen dann den Strahler wieder weg und messen eine Stunde später noch mal. - So viel zum Thema Verdrehung von Ursache und Wirkung. (Ach ja, noch etwas: Warum eigentlich dieser ironische Unterton im Zusammenhang mit Polystyrol "gesundheitsgefährdend"? - Hast Du das Zeug mal verbrannt oder auf den Kompost geschmissen? Wir sind uns sicherlich einig darüber, daß es ein Kunststoff ist oder? Weißt Du, was Partikel davon in Deinem Körper, in der Umwelt anrichten oder die Fungi-/Biozide im meist verputzten Polystyrolgroßpassivhausdämmtempel, wenn Du sie über das Grundwasser und die Nahrung aufgenommen hast, nachdem der Regen sie ausgewaschen hat? Hauptsache die Heizkosten sinken. Warum fragt eigentlich keiner nach den Stromkosten?)

Lange Rede, kurzer Sinn: Für meine Begriffe ist eine Behausung für Mensch und Tier nach ganzheitlichen, baubiologischen Maximen zu errichten und instandzuhalten. Alles andere ist nicht zu Ende gedacht und stellt Systembrüche dar, mit unabsehbaren Folgen für uns und unsere Nachkommen. Ein nach alter Kunst gebautes Fachwerkhaus z. B. kann ich im übertragenen Sinne auf den Kompost schmeißen. Eine Polystyrolhütte nicht. Irgendwo dazwischen sollte unsere Orientierungslinie laufen, was übrigens nicht heißt, man müßte ins Freilichtmuseum ziehen.

Konrad Fischer hat ganz klare und eindeutige Referenzen, was Deine Aussage, seine Inhalte wären nicht richtig bzw. nur gut telegen aufbereitet zumindest stark relativiert. Davon abgesehen ist er ja nun nicht der einzige Dämmungskritiker.

Meine Meinung, keine Religion. Es möge wie gesagt jeder selbst wissen, was er tut.

Beste Grüße
Achim


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BeitragVerfasst: Di 13. Dez 2011, 23:08 
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Servus noch mal,

habe nachgesehen. Die Energieeinsparung von putzigen 15 % kam in einem anderen Beitrag von PLUSMINUS vor.

Falls den jemand sehen möchte:

Link

So, das soll es jetzt von mir aber endgültig gewesen sein.

Allerseits viele Grüße
Achim


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BeitragVerfasst: Sa 30. Mär 2013, 15:22 
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Servus zusammen,

ein Nachtrag: Der folgende Artikel sei aus aktuellem Anlaß Eurer geschätzten Aufmerksamkeit empfohlen.



Link



Frohe Ostern und viele Grüße
Achim


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