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Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer
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Autor:  Ulrike Nolte [ Di 31. Jan 2006, 00:19 ]
Betreff des Beitrags:  Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Ralf Femmer hat geschrieben:
@ Ullrike
Wenn deine Ziegel flächenbündig in die Gefache gemauert wurden, würde ich persönlich davon ausgehen, das diese auch mal sichtbar waren.
Da würde ich noch einmal mit der Denkmalbehörde diskutieren.
Wie hier ja schon festgestellt wurde sind die "Kissenausbildungen" eigentlich eine unsitte und meistens auf das nachträgliche verputzen von ehemals sichtigen Zeigelausfachungen zurückzuführen, oder auf die Reparatur durch überputzen von anderen Ausfachungen wie z.B. Lehm.


Hallo Ralf,

natürlich weiß ich nicht (und die Denkmalbehörde auch nicht), ob der Bau einmal komplett mit gebrannten oder Lehmziegeln, oder mit Staken ausgefacht war.

Bestand ist eine Ausfachung an West- und Ostseite mit gebrannten Ziegeln, an Nord- und Südseite mit Lehmziegeln. Die Westseite wurde später (so die Vermutung) mit einem Behang aus Sandsteinplatten versehen. Wann, ist noch unklar.

Der Anbau (der nach Versicherungsunterlagen erst 1890 in der heutigen Form erbaut wurde - es gab vermutlich schon früher einen Stall. Ob der mit dem Haus verbunden war, ist auch noch unklar) ist komplett an den Außenwänden mit gebrannten Ziegeln ausgefacht. Wobei die Westseite kein Fachwerk hat, sprich massiv gemauert ist.

Leider fehlt mir die Zeit, mehr zu recherchieren. :(
Da ich fast alle Vor- und Zuarbeiten alleine erledigen muss (Männe muss Kreuzer verdienen), sind 8 Std. tägl. an 6 Tagen in der Woche mehr als genug. Im Moment beschränke ich mich auf das Dokumentieren mit Fotoapparat und Schreibblock. Ein paar Befunde, wie Farben, Putzaufbau, etc. versuche ich in Stücken zu sichern.

Herzliche Grüße
Ulrike

Autor:  salinodg [ Di 31. Jan 2006, 13:22 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Moin,

bei der unklaren historischen Situation sehe ich im Moment keine Berechtigung für die Forderung nach einem Kissenputz. Den gab es wohl mit großer Wahrscheinlichkeit früher nicht.

LG

Autor:  Ulrike Nolte [ Di 31. Jan 2006, 16:40 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Hm,

ich kenne mich damit nicht aus - oder nicht genügend.

Aber wie sollte denn dann verputzt werden? Zum Teil steht die Ausfachung nach außen über. Irgendwie muss man ja ans Holz anputzen.

Ich habe da schon die unterschiedlichsten Varianten gesehen:

Putz an allen Seiten gerade "abgeschnitten".
(ist ja wohl auch nicht so dolle wegen des Wassers, das nicht ablaufen kann. Sieht in meinen Augen auch sehr unschön aus)

Putz an allen Seiten zum Holz hin abgeschrägt
(kann zwar das Wasser ablaufen, aber sooo schön sieht das auch nicht aus)

Kissenförmig verputzt
(ist anscheinend verpönt, weil das früher so nicht gemacht wurde)

Plan verputzt mit leichter Kehle zum Holz
(sieht am besten aus)

Was soll ich dem Denkmalschützer sagen, was und warum ich es anders machen will. Soll ich die Ausfachungen, die nach außen abstehen, neu ausfachen um dann einen Putz aufzubringen, der plan ist? ???

Entschuldigung für meine "Hilflosigkeit" in diesem und anderen Punkt/en. Man will es richtig machen und das ist überhaupt nicht so einfach. Und das bei meiner angeborenen Übervorsichtigkeit ...

Übrigens habe ich vorhin einen Anruf aus dem Staatsarchiv Detmold erhalten: die fotokopierten Unterlagen sind fertig. Also werde ich mich am Donnerstag auf den Weg machen. Nun brauche ich nur noch Hilfe bei der Entzifferung.

Grüße
Ulrike

Autor:  salinodg [ Di 31. Jan 2006, 17:12 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Hallo Ulrike,

Du hast recht, jeder nachträglich aufgebrachte Putz bei einer balkenbündigen Ziegelausfachung sieht besch... aus - von anderen Problemen einmal abgesehen.

Wenn die Ausfachung aber balkenbündig ist, ist das ein Indiz dafür, daß früher alles ziegelsichtig war. Ansonsten hätte man die Ausfachung für den Putz ca. 2 cm hinter den Balken zurückspringen lassen.

Wenn Du jetzt aber noch sagst, daß einige Gefache sogar überstehen, könnte das wiederum ein Indiz für gelockerte (kippende) Gefache sein. In diesem Fall hättest Du aber auch am neuen Putz keine lange Freude.

Wenn die Gefache kippen sollten, müsstest Du sowieso neu aufmauern. Dann kannst Du natürlich überlegen, ob Du wieder balken-bündig aufmauerst mit entsprechender Innendämmung, oder die ca. 2cm zurückspringen läßt, damit Du balkenbündig putzen kannst.

Also: erst mal den aktuellen Zustand der Gefache kontrollieren !

Gruß

Autor:  Ulrike Nolte [ Mi 1. Feb 2006, 11:30 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Na gut, Bernd, Du hast mich überzeugt. Wir kontrollieren sämtliche Gefache ::)

Einige sind auf jeden Fall locker. Da der alte Putz außen sowieso komplett runter muss (großflächig mit irgendwelchen zementären "Mittelchen" geflickt), kommen wir auch an jedes einzelne Gefach ran.

Mein Mauer- und Putzmeister sagte mir eben, dass wir dann auch den gleich Lehmputz innen (der alte Lehm wird gleich wieder eingesumpft) an den Außenwänden abmachen sollen und wir in diesem Fall über eine Dämmung der Außenwände nachdenken sollten.

Er schlug mir vor, Platten aus Holzdämmstoff zu nehmen, weil die einen besonders dünnen Aufbau hätten (6 cm).

Sonnig-kalte Grüße
Ulrike

Autor:  Ralf Femmer | KS Freiberg [ Fr 3. Feb 2006, 12:55 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Hallo Ullrike,
Bernd hat ja das wesentliche schon gesagt.
Wenn du jetzt sowieso das eine oder andere Gefach neu aufmauern musst, sollte dir die Spurensuche nicht schwer fallen.
Sollte ursprünglich eine Lehmstaakenausfachung in euren Aussenwänden gewesen sein, dürftest du entsprechende ausgestemmte stellen an den Riegeln und Schwellen finden. Unten wird dann normalerweise ein pyramidenförmig ausgestemmtes "Loch" und oben häufig eine durchgehende Nut zu finden sein.
Sollte schon immer eine Zeigelausfachung in den Wänden gewesen sein, solltest du an den Ständern entsprechend durchgehende Nuten finden.
Ich persönlich würde aus der Ferne davon ausgehen, das bei eurem Haus unterschiedliche Ausfachungen parallel sichtbar waren.
Veilleicht haben ein Teil der Ausfachungen nicht mehr gehalten und sind nach und nach mit Ziegeln ersetzt worden. Wenn diese bündig eingesetzt worden sind, werden selbige auch sichtbar belassen und nicht überputzt worden sein. das hätte zur Folge gehabt, das Ziegelausfachungen neben überputzten Lehmausfachungen vorhanden waren.
Das ist grundsätzlich ersteinmal nicht unüblich. Gerade im Lippischen und weiter auch im restlichen Westfalen findet man so etwas immer wieder.
Was spräche denn dagegen, diesen Zustand wieder aufzugreifen?
fg
Ralf

Autor:  Ulrike Nolte [ Fr 3. Feb 2006, 13:22 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Hallo Ralf,

wenn es denn diesen "Mischzustand" gegeben hat spräche nichts gegen die Wiederherstellung dieses Zustands. Wenn das Denkmalamt zustimmt ...

Aber bisher habe ich keine Anzeichen von Staken in den Gefachen gefunden. Auch durchgehende Nuten habe ich bisher noch keine gesehen. Die Balken sind ringsrum glatt.

Vielleicht ergibt sich ja noch etwas bei der Kontrolle. Aber dazu muss es jetzt erst mal wieder wärmer werden. Es ist a...kalt, auch im Haus schaffe ich nicht mehr als 5-7 °C in den beiden ofenbeheizten Räumen.

Liebe Grüße
Ulrike

Autor:  salinodg [ Fr 3. Feb 2006, 14:03 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Hallo Ulrike und Ralf,

die Nuten in den Ständern - als Mörteltaschen - zur Verhinderung des Kippens wurden früher sehr selten angebracht. Deshalb kippen ja auch sehr viele Gefache.
Früher wurde dann einfach hochgemauert.
Die Dreiecks- oder Trapezleisten wurden m.E. auch erst durch Prof. Gerner so richtig ins Bewußtsein gerückt.
Bei einer Neuausfachung tendiere ich jedoch aus Gründen der Arbeitserleichterung zur Nut - dann kommt endlich die Kettensäge ins Haus ;-)

Gruß

Autor:  Ralf Femmer | KS Freiberg [ Fr 3. Feb 2006, 17:44 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Da hast du natürlich recht Bernd.
Allerdings sind die Dreikantleisten keine Erfindung von Herrn Gerner. Der läuft auch nur mit offenen Augen durch das Land und schreibt das gesehene in seine Bücher. An seinen Exkurs zur Interpretation von Gefügeausbildungen sei hier nur am Rande erinnert.
@ Ullrike
Wenn du Lehmausfachungen in deinem Haus gefunden hast, müssen diese doch irgendwie im Fachwerk fixiert worden sein. Wie denn? Oder sind selbige einfach mit Grünlingen ausgemauert?
FG
Ralf

Autor:  Ulrike Nolte [ Fr 3. Feb 2006, 18:08 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Hallo ihr Beiden,

Ralf, wenn die Lehmsteine Grünlinge heißen, dann sind es solche. Die Gefache sind damit einfach nur ausgemauert und in die letzte Fuge zum Holz hin wurden irgendwelche flachen Steine geklemmt. Meist sind das (vermutlich) Sandsteine. Ich kann das noch nicht so gut auseinander halten - mit den Materialien. Der Stein sieht beinahe aus wie Schiefer, aber grau.

In der Kellerdecke und in der Decke zum Spitzboden liegen noch Lehmwickel, allerdings schon arg ramponiert. Die Schräge am Anschluss Haupthaus/Anbau hat auch noch Lehmwickel. Im Moment sind die rausgenommen, sie werden aber aufgearbeitet und eingelegt.

Allmählich habe ich das Gefühl, an diesem Haus wurde schon sehr viel mehr repariert/saniert als es zunächst schien. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Decke zum OG (war ja ursprünglich nur zum Teil ausgebaut) auch einmal aus Lehmwickeln bestanden hat. Jetzt liegen einfach (Fehl-) Bretter auf den Balken, auf denen dann der Fußboden liegt.

Der Außenputz wurde übrigens mit je einem Nagel rechts/links/oben/unten im Holz fixiert. Das fällt mir eben wieder ein. Wir mussten ja wegen der Reparatur der Schwellen gleich zu Anfang die untersten Gefache leerräumen.

Noch eine Frage:
Weiß jemand, ab wann man im Kalkputz einen Zuschlag verwendet hat, der hart wie Zement wird? Unser Maurer ist sich sicher, dass der Putz in einigen Gefache außen einen zementartigen Zuschlag haben. Jedenfalls ist der Putz selbst noch bröselig (Kalk), wenn auch extrem hart.

Grüße
Ulrike

Autor:  salinodg [ Fr 3. Feb 2006, 23:10 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Moin miteinander,

schmeißt hier bitte nicht die Begriffe durcheinander: Lehmsteine und Grünlinge sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Lehmsteine (handgefertigt oder industriell gefertigt) haben eine andere Materialzusammensetzung als Grünlinge. Letztere sind ungebrannte Ziegel, die in Ihrer Zusammensetzung auf den Brennvorgang abgestimmt sind, aber kein Optimum in den notwenigen Bereichen für das "Mauerwerk" in einem Fachwerk haben.

Erschwerend kommt häufig hinzu, daß an Ihnen noch Gleitmittel aus den Formkästen haften. Deshalb kann es auch schon mal vorkommen, daß dann ein Putz auf Grünlingen - der Schwerkraft folgend - gen Fußboden "gleitet".

Wenn man die Grünlinge kostengünstig aus einer naheliegenden Ziegelei erwerben kann, kann man sie aber wunderbar als Masse zur Schalldämmung in Decken etc. verwenden.

Zuschläge im Kalkputz:
Wahrscheinlich handelt es sich dann nicht um einen reinen Luftkalkmörtel sondern um Wasserkalk-Mörtel (latent hydraulisch) oder sogar hydraulische Mörtel (s.a. Trass-Kalk). Dabei werden dem Mörtel Zuschläge aus Ziegelmehl, Puzzolanerden etc. beigemischt. Diese Zuschläge bewirken im Mörtel die Ausbildung zementähnlicher Phasen und wirken auch hydrophobierend (wassersperrend). In einem Fachwerkhaus sollte man derartige Mischungen oberhalb des Sockels tunlichst nicht einsetzen. Leider wurde das aber von der Fraktion der zementverliebten Maurer in den letzten Jahrzehnten sehr häufig getan.

Diese Fehler sind m.E. sehr schwer datierbar. Die Möglichkeit, diesen Fehler zu begehen, gibt es bereits seit über 2000 Jahren - also vor der "Erfindung" des Fachwerks.

Gruß

Autor:  Ulrike Nolte [ Fr 3. Feb 2006, 23:27 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

Hallole,

jetzt bin ich vollends verwirrt ;)

An unseren Lehmsteinen scheint alles gut zu haften - also keine Grünlinge. Diese verschiedenen Materialien und/oder Bezeichnungen machen mich wirklich wirr im Kopf. Aber wir haben ja schließlich eine Schule gekauft (von wegen dem Lernen) :D

Ähem, was die Verwendung von Lehm in Fußböden betrifft - nun lach aber bitte niemand - wir verwenden dafür den Unterputz, der wegen Nichthaftung abgeschlagen (abgenommen, abgemacht) werden muss.

Hoffentlich dreht mir jetzt niemand den Kragen rum :-*

Grüße
Ulrike

Autor:  salinodg [ Fr 3. Feb 2006, 23:32 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

... bis jetzt hast Du aber in der Schule gut aufgepasst - mußt garnicht verwirrt sein :)

Autor:  Ulrike Nolte [ Fr 3. Feb 2006, 23:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re:Ausfachungen des Fachwerks @ Ralf Femmer

... dabei sagte mein Lehrer immer, ich soll gefälligst besser aufpassen.

Anscheinend hat es doch was genutzt ;)

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