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der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. - IGB
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 Betreff des Beitrags: Suche Information Fassade Bauernhaus
BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 19:06 
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Registriert: Mo 11. Okt 2010, 16:33
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Hallo zusammen,

folgende Problematik:

Unser Bauernhaus wurde um ca.1750 vor den Toren Halles (Saale), damals zum Königreich Preußen gehörend, erbaut. Wir reden also vom Spätbarock. Unser Architekt hat uns gesagt, dass einmal der Zeitpunkt des Baus und zum anderen das Fachwerk selber, auf eine verputzte Fassade hinweist z.B. keine verzierten Balkenkopfe, Balken sehr grob gesägt oder gehauen, Deckenbalken bündig mit der Wand abgeschnitten. Alles gut und schön. Das Problem ist jetzt, dass das Denkmalamt wohl anderer Meinung ist. Ich sage deswegen wohl“, weil ich selber dort noch nicht vorstellig war, wohl aber der Vorbesitzer. Dieser sagte mir gestern, dass die „Fassadenfrage“, vor zwei Jahren, als er einen Vortorttermin mit einer Vertreterin des DA hatte, eines der strittigsten Themen war. Das DA bestand damals auf Sichtfachwerk.
Ich suche also Informationsquellen die eindeutig beweisen, wie die Fassade zum Zeitpunkt des Baus gestaltet war. Wer kann uns helfen? Werk kennt einen Fachmann/-frau? Gibt es Publikationen dazu?


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BeitragVerfasst: Do 16. Dez 2010, 22:24 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
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Ein paar Fotos würden helfen, den Eindruck zu konkretisieren. Hinreichende Auflösung vorausgesetzt, sollte sich die Frage mit ihnen beantworten lassen.

Hinweis schon mal vorab: Bei verputzten Bauten in Stockwerkszimmerung dieser Zeit sind in der Regel die Stirnflächen der Balken mit einer breiten horizontalen profilierten Bohle verkleidet. Oft ist diese nicht mehr da. lässt sich aber ebenso oft bei genauem Hinsehen noch nachweisen.


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BeitragVerfasst: Fr 17. Dez 2010, 19:32 
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Registriert: Mo 11. Okt 2010, 16:33
Beiträge: 42
Hier ein paar Bilder Herr Maschmeyer, höchste Auflösung:

Giebel 1

Giebel 2

Giebel 3

Giebel 4

Giebel 5

Giebel 6

Westseite 1

Westseite 2

Westseite 3

Westseite 4


Ich kann gerne noch mehr Fotos machen. Danke schon mal, für ihre Unterstützung!


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BeitragVerfasst: So 19. Dez 2010, 19:14 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
Zu den sehr detaillierten Fotos hätte ich mir jetzt noch eine Gesamtansicht gewünscht. Aber auch aus den Detailfotos lässt sich folgendes erkennen:

-Das Untergeschoss ist wohl in Stampflehmbauweise errichtet (oder irre ich mich da?). Die Einschübe der Decke sind von aussen gut sichtbar. Mit einer Datierung Mitte 18. Jh. wäre das ein relativ alter Stampflehmbau.

-Die Stockwerksschwelle zeigt keinerlei Spuren irgendeiner sorgfältigen, auf Sichteffekte abzielende Bearbeitung.

-Die Aufbeilungen des Fachwerks für die Putzhaftung scheinen recht alt, mglw. bauzeitlich zu sein.

-Die Fenster hatten wohl ursprünglich breite Bekleidungen (16 cm = 1/2 Fuss?), die die Riegel und einen grossen Teil der Ständer überdeckten.

- Das Traufsims zeigt eine recht aufwendige Abstufung bzw. Profilierung und eine sehr sorgfältige Bearbeitung, wie sie auch für sichtbare Fachwerelemente zu erwarten wäre.

Quintessenz: Mit 90%-iger Wahrscheinlichkeit war das Haus insgesamt verputzt. Die Fenster dürften profilierte Gewände besesssen habe, die mglw. an der Kante in den Putz eingearbeitet waren und das Haus wie einen Putzbau mit Werksteingewänden erscheinen liessen. Zu einer horizontalen Simsbohle vor den Balkenköpfen lässt sich nichts mit Sicherheit aussagen. Die für irhe Anbringung typische Ausfälzung an den horizontalen Schwellen bzw Rähmen lässt sich nicht erkennen. Sie ist aber nicht immer angelegt worden, wenn eine Simsbohle angebracht wurde. Ich sehe deren Existenz daher dennoch als relativ wahrscheinlich an.

Da die Fassade erheblicher Reparaturen bedarf und die angebielten Oberflächen recht empfindlich ist, wäre eine Neuverputzung m.E. auch aus technischen Gründen überaus sinnvoll. Umso besser, wenn das auch dem historischen Befund entspricht:

Wie gesagt, eine Gesamtansicht wäre noch sinnvoll.


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BeitragVerfasst: So 19. Dez 2010, 22:13 
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Registriert: Mo 11. Okt 2010, 16:33
Beiträge: 42
Erst mal verbindlichsten Dank, Herr Maschmeyer, für ihre ausführliche Erläuterung! Ja, das EG besteht aus Stampflehm ca.75cm dick, auch die Wand zw. Küche und Stube und die Wände des Vorratsraumes bestehen daraus, aber da nur 30 bzw. 50cm.
Noch eine Anmerkung: die Giebelwände des OG/DG sind ca. 10 cm. zurückversetzt bezogen auf das EG, ich weiß nicht, ob man das sehen kann. Mein Architekt vermutet eine Verkleidung selbiger aus Klinker z.B., die aber nicht mehr vorhanden ist. In den Balken der Giebel sind tausende kleine Nagel, die ca. 0,5cm hervor stehen, natürlich entsprechen verrostet.
Ich hätte hier noch zwei Bilder, allerdings nicht ganz so hochauflösend:

Strasse

Garten

Zwei Fachleute, die zum gleichen Ergebnis gekommen sind. Bin gespannt was das DA sagt, werde berichten.


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BeitragVerfasst: Mo 20. Dez 2010, 00:31 
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Registriert: Mi 8. Dez 2010, 23:50
Beiträge: 30
Hallo Alex,

ich habe keine Ahnung, ob Euer Haus früher verputzt war oder nicht. Aber bei unserem "Ruinchen" gab/gibt es die gleiche Frage. Uns hat dabei sehr geholfen, so früh wir möglich selbst mit den Denkmalpflegern zu sprechen - bei uns Monate bevor wir das Haus gekauft haben. Unser Haus hat auch keine Verzierungen, es gibt Hölzer (Zweitverwertung) die eindeutig auf eine verputzte Fassade hinweisen. Aber diese Hölzer wurden wohl nachträglich eingebaut... oder auch nicht? Da alle Häuser in der Straße Sichtfachwerk zeigen - die meisten ohne Verzierungen! - werden wir wohl zur Straße Sichtfachwerk zeigen. Zumindest bei uns in der Wetterau / Hessen gab es wohl recht viele Häuser, die Sichtfachwerk ohne Verzierungen und auch ohne Anstrich auf den Hölzern hatten.

Was wäre Euch denn lieber? Wie sehen die - fachgerecht sanierten - Häuser in der Nähe aus?

Viele Grüße

Dirk


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BeitragVerfasst: Mo 20. Dez 2010, 06:02 
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Registriert: Mo 11. Okt 2010, 16:33
Beiträge: 42
Hallo Dirk,
das Haus ist ein Einzeldenkmal. Alle Häuser im Umkreis von 500 Metern sind erst nach 1960 Gebaut, selbstv. keine Fachwerkhäuser, bis auf eine Ausnahme: das nebenanstehende Gutshaus, es war/ist verputzt, unser Haus gehörte bis 1919 zu diesem Gut. Im Ort sind mir keine Häuser mit Sichtfachwerk bekannt.
Es geht auch nicht nach der Meinung der unteren Denkmalbehörde (es gibt ja noch die übergeordnete Stelle), sondern danach, wie es historisch gesehen richtig ist.
Ich könnte mit beidem leben, wobei eine verputzte Fassade kostengünstiger zu sanieren ist. Sichtfachwerk gefällt mir besser, aber wie gesagt: wenn ein Haus 250 Jahre verputzt war, sollte es auch wieder verputzt werden.


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BeitragVerfasst: Mo 20. Dez 2010, 23:48 
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Registriert: Mo 17. Feb 2003, 17:34
Beiträge: 767
An eine Ziegelverblendung der Giebel mag ich nicht glauben. Wahrscheinlich hat man das EG aus statischen Gründen vorstehen lassen: Während jeder Deckenbalken die Last des Obergeschosses verteilt, sind es an den Giebeln nur die innenliegenden Mauerlatten (eine davon sieht man auf dem Garten-Foto). Da könnte sich leicht eine zu hohe Pressung der Stampflehmkante ergeben, wenn man auf den Vorsprung verzichtet. Ich denke, den Übergang zu EG-Sockel hat man mit einer verdachten Simsausbildung gelöst (Abdeckung z.B. mit Biberschwänzen). Dann wären wir doch wieder bei einem Sims. Es müsste eigentlich in der Region noch Vergleichsbeispiele geben, solche Häuser sind dort ja noch öfter anzutreffen.


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