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 Betreff des Beitrags: Was sind Knicks?
BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 11:28 
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Um das Thema "Was sind Haustöcke" nicht allzu sehr zu zerpflücken, mache ich mit den Knicks hier weiter.

Der Nabu SH hat eine wunderbare Seite, in der Vieles zum Thema steht. Man beachte auch die folgenden Seiten.

Eine Webseite über Wallhecken, ihre Bedeutung, Anlage, Pflege, etc.

Demnach sind Knicks genau das, an was ich mich erinnere.

Andernorts nennt man sie wohl Feldhecken, auch in Bayern.

Warum man sie früher brandgerodet hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Die Gemeinde Oberstenfeld liegt übrigens in meiner alten Heimat.

Grüße
Ulrike

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"Wenn du wirklich etwas willst, werden alle Märchen wahr." (Theodor Herzl)
Mehr über meine wahr gewordenen Märchen ist hier nachzulesen


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 Betreff des Beitrags: Re: Was sind Knicks?
BeitragVerfasst: Do 17. Apr 2008, 09:22 
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Was in Oberstenfeld gemeint ist, ist keine Brandrodung, sondern ein Pflegefeuer. (Brandrodungen gibt es derzeit in Brasilien etc. Dort wird der Wald umgehauen und dann mit dem ganzen Holz angesteckt. Das kann es nicht sein.) Zurück: Auch wenn die Website etwas anderes vermittelt: Pflegefeuer ist nicht unbedingt unsinnig, aber man muss es können. Dabei geht es gerade darum, die konkurrierenden Pflanzen abzutöten, um den Zielpflanzen die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln. In Norddeutschland wurde so früher alle ca. 15 Jahre die Heide abgebrannt - von Leuten, die wussten, wie man das macht. Und es wird mittlerweile wieder gemacht, denn anders kann man sie auf Dauer nur schwer erhalten. Siehe hierzu auch das Stichwort "Feuerökologie" (fire ecology) zur wichtigen Rolle von Waldbränden bei der natürlichen Regenerierung von Wäldern.

Aber wie gesagt: Es sollten nur Leut machen dürfen, die ihr Handwerk auch verstehen.

"Knick" in Norddeutschland kommt natürlich von knicken = scharf umbiegen. Daher die Flechthecke. Im Süden kann das natürlich ganz anders sein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was sind Knicks?
BeitragVerfasst: Fr 18. Apr 2008, 09:55 
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Hallo Dietrich,

ich widerspreche ungern  ;D

Die Flechthecke hat mit den Knicks, Wallhecken oder Feldhecken nicht sehr viel gemeinsam. Dazu muss man sich nur einmal auf den genannten Webseiten umschauen.

Offenbar ist die Flechthecke in unserer Region (Lippe/OWL) weit verbreitet). Die Nieheimer Flechthecke scheint sogar eine erwähnenswerte Besonderheit, ein "Kulturlandschaftsrelikt von europäischem Rang" zu sein. Leider ist mir diese Heckenform bisher auf unseren Erkundungsfahrten noch nicht aufgefallen. Wir werden jetzt dann doch mal nach Nieheim fahren müssen, auch wegen dem vielgerühmten "Nieheimer Käse".

Grüße
Ulrike

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 Betreff des Beitrags: Re: Was sind Knicks?
BeitragVerfasst: Sa 19. Apr 2008, 12:40 
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Das Knicks wie in Schleswig-Holstein heute nicht mehr so ganz nach Flechthecken aussehen, liegt daran, dass sie seit langem nicht mehr, wie ihr Name eigentlich sagt, sondern nur noch nur noch als normale Wallhecken bewirtschaftet werden, die zwar noch regelmässig auf Stock gesetzt, aber nicht mehr geknickt werden. Das Knicken ist einfach zu mühsam, dafür gibt es heute den Stacheldraht. Damit brauchen die Hecken nicht mehr ganz so dicht zu sein. (Übrigens: Webseiten sind zwar oft sehr gut gemacht, aber nicht immer unbedingt zuverlässige Quellen!)

Nur weil dem so ist, sollte man aber nun nicht jede Wallhecke als Knick bezeichnen - eher umgekehrt. In Westfalen ist der Ausdruck Knick übrigens ungebräuchlich. Möglicherweise meint die "Schlaghecke" prinzipiell etwas ähnliches. (Die Bedeutung kann aber auch mehr in Richtung Schlagbaum gehen).

Die Nieheimer Flechthecke ist in ihrer Qualität schon etwas besonderes.
Die meisten Wallhecken, die wir heute erhalten wollen, sind übrigens relativ spät entstanden! In Schleswig-Holstein bei den grossen Verkoppelungen des späten 17. Jahrhunderts, in Norddeutschland oft erst bei den Markenkultivierungen im 19. Jahrhundert., was man auch daran sieht, dass man sie bevorzugt dort findet, wo die ältesten Karten noch Ödland anzeigen.  Seit dem 18 Jahrhunderts gibt es ja auch obrigkeitlich Verbote von Holzzäunen und Gebote, diese durch Wälle und lebende Zäune (Hecken) zu ersetzen. Bei den Wällen wurde die innenseite regelmässig steil abgestochen, so dass sich praktisch eine Erdmauer bildete, die durch die Wurzeln der Bäume darauf durchaus stabil war.

Eigentlich mal ein Thema für den HN.....


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 Betreff des Beitrags: Re: Was sind Knicks?
BeitragVerfasst: Sa 19. Apr 2008, 12:52 
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Noch ein Nachtrag: Es dürfte klar geworden sein, dass Wallhecken etc. primär als lebenden Zäune zu sehen sind. Ihr Vorkommen setzt daher eine ausgedehnte Weidewirtschaft voraus. Wo Ganzjahresaufstallung üblich war (wie in weiten Teilen Süddeutschlands) gibt es sie nicht. Daher die Bemerkjung des BUND Bayern, sie seien nur begrenzt landschaftstypisch. Sie fehlen auch dort, wo statt Zäunen Wassergräbe waren - also in den Marschgebieten. In Ostfriesland und im Elbe-Weser-Dreieck kann man das schön sehen. Auf der Marsch: Keine Wallhecken, auf der Geest: Wallhecken.

Im Münsterland haben (Wall-)hecken wohl schon eine etwa längere Tradition, auch als Heizmaterialspender. Deshalb forderten einige Aufklärer schon im 18. Jahrhundert (!), ihren Umfang deutlich zu reduzieren, weill viel zu viel Ackerfläche durch die beschatteten Feldraine verlorengehe. Das wurde danach auch wohl teilweise umgesetzt.


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